Der Heilige Gral

Der ausgewählte Ritter

Parzival sieht auf der Gralsburg zum ersten Mal während des Essens den Heiligen Gral. Der Gral bei Wolfram wird als ein Stein beschrieben, der so schwer ist, dass ihn „selbst die ganze sündige Menschheit nicht von der Stelle bewegen könnte“ (IX, S. 81). Er wird von einer Familie der Gralshüter bewacht, der auch Parzival entstammt.

Der Gral bestimmt auch die Frau, die der Gralshüter ehelichen muss. Entscheidet er sich für eine andere, so wie Anfortas, „wird er mit Drangsal und beklagenswertem Herzeleid gestraft“ (IX, S. 83). Anfortas wird daher bei einem Duell mit einem Heiden von einer vergifteten Lanzenspitze verwundet. Alle bekannten Arzneien und Wundermittel versagen bei der Heilung der Wunde.

Als man den schwerverletzten Anfortas vor den Gral bringt, so gesundet er nicht, kann aber auch nicht mehr sterben (IX, S. 87). Da erscheint auf dem Gral eine Schrift, die besagt, dass ein Ritter kommen wird. Wenn er die Qual des Königs erkennt und ihm die Mitleidsfrage stellt, so hat sein Elend ein Ende (IX, S. 91). Er muss dies aber in der ersten Nacht tun, da sonst die Gelegenheit verpasst ist.

Allerdings darf niemand den Ritter darauf hinweisen, was zu tun ist und wie wichtig die Frage ist, da sonst keine Linderung eintritt (IX, S. 91: „Jeder heimliche Hinweis schadet nur!“). Wenn der Ritter alles richtig macht, so wird er die Herrschaft über das Königreich übernehmen und der König gesund werden (IX, S. 91).

Die Gralszeremonie

Zuerst wird die „Lanze, aus deren Spitze Blut quoll“ (V, S. 395) von einem Knappen präsentiert. Solange die Anwesenden die Lanze erblicken, brechen sie in „Weinen und Klagen [aus], daß nicht einmal dreißig Völker so viele Tränen vergießen könnten“ (V, S. 395). Die blutige Lanzenspitze, die Parzival sieht, ist diejenige, mit der der Gralskönig Anfortas bei seinem letzten Zweikampf schwer verwundet wurde. Wenn ihn die Wunde besonders stark quält und seine Körpertemperatur sinkt, muss diese wieder in die Wunde hineingestoßen werden, damit das Gift „die Kälte aus dem Körper zieht“ (IX, S. 103). Danach muss die Spitze mit den Silbermessern von einer „glasklaren, eisähnlichen Schicht“ (IX, S. 103) gereinigt werden. Wird dem Gralsvolk die blutige Lanzenspitze gezeigt, so wissen alle, dass der König besonders stark unter seiner Verletzung leidet, und brechen daher in Wehklagen aus (IX, S. 107).

Auf diesen Moment folgt eine genau einstudierte Zeremonie: „Genau nach der Vorschrift traten alle vor ihn hin und verneigten sich“ (V, S. 399), bei der der Heilige Gral auf einem kostbaren Tisch aus Elfenbein und Edelstein vor dem König von insgesamt vierundzwanzig „Edeldamen“ (V, S. 401) aufgebaut wird. Schließlich bringt die Königin und Gralshüterin Repanse de Schoye selbst den Gral herein, der als „Inbegriff paradiesischer Vollkommenheit, Anfang und Ende allen menschlichen Strebens“ (V, S. 401) beschrieben wird.

Neben der blutenden Lanze und dem Gral selbst gehören bei Wolfram auch „zwei haarscharfe wunderbare Messer [...] aus gehärtetem Silber“ (V, S. 401) zu diesem Relikt. Vor dem Gral steht, wie auf magische Weise, „alles [...] wonach man nur verlangte“ (V, S. 407). Er wird von Wolfram als „Hort des Glücks, ein Füllhorn irdischer Köstlichkeiten“ (V, S. 407) beschrieben, der aufgrund seiner Fülle an Speisen und Getränken „fast mit der Herrlichkeit des Himmelsreich“ (V, S. 407) verglichen werden kann: „Die ganze vornehme Gesellschaft war also beim Gral zu Gast.“ (V. S. 407). Wolfram weiß, dass seine Schilderung viele für „unmöglich“ (V, S. 407) halten, doch die Zweifler tun „unrecht daran“ (V, S. 407), so der Autor.

Jungfrauen und Keuschheit

Gott hat bestimmt, dass nur Jungfrauen den Gralsdienst verrichten dürfen, da er „eine hohe Auszeichnung“ (IX, S. 107) darstellt. Die Ritter, die ihn verrichten, müssen „keusch und enthaltsam“ (IX, S. 107) sein. Das Gralsvolk...

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