Vorlage

Wolfram von Eschenbach orientiert sich in Bezug auf die Konzeption seines „Parzivals“ hauptsächlich an dem unvollendeten Versroman „Perceval le Gallois ou le conte du Grall/Li contes del Graal“, der zwischen 1180 und 1190 von Chrétien de Troyes verfasst wurde. Obwohl solch eine Adaption eines bekannten Stoffes in der mittelalterlichen Literatur sehr verbreitet war, distanziert sich Wolfram ausdrücklich von diesem Werk.

Er gibt stattdessen die Vorlage eines Autors namens Kyot an, der aus der Provence stammt (XVI, S. 671). Dieser Autor konnte aber nie nachgewiesen werden. Wenn überhaupt, dann kann Wolfram sich damit auf Guiot de Provins beziehen, der ungefähr zwischen 1140 und 1210 lebte. Die Forschung geht aber eher davon aus, dass diese Distanzierung als ein Kunstgriff Wolframs verstanden werden kann, um seinem Werk einen eigenständigen Charakter zu verleihen.

Kyot soll die Erzählung von Parzival in arabischer Sprache entdeckt und sie ins Französische übertragen haben (VIII, S. 707). Wolfram erklärt diese Fassung zu der einzig richtigen, selbst Chrétien de Troyes habe seiner Meinung nach sein Wissen aus dem Werk Kyots übernommen (XVI, S. 671) und dabei einiges falsch verstanden. Wolfram hat dann dieses französischsprachige Werk von Kyot wiederum ins Mittelhochdeutsche übersetzt. Dabei hält sich der Autor an die Vorlage und so endet die Geschichte dort, „wo der provenzalische Meister den Schlußpunkt setzte“ (X...

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