Die Ritterzeit

Rittertum und Lehenswesen

Nach der Schlacht von Xerez de la Frontera (711) erkannte man, dass die europäischen Heere den arabischen Reiterheeren deutlich unterlegen waren. Der Grund dafür war unter anderem, dass die arabischen Heere aus berittenen Berufssoldaten bestanden, die den Bodentruppen in Europa schwer zusetzten. Um eine ähnliche Kampfkraft entwickeln zu können und solche Soldaten auch bezahlen zu können, wurde in den folgenden Jahrhunderten das Rittertum im Rahmen des Lehenwesens entwickelt.

Als Ritter bezeichnet man einen schwer gerüsteten und bewaffneten Krieger, der auf einem Pferd in den Kampf zog. Das Wort stammt daher vom mittelhochdeutschen Wort für Reiter ab. Diese Soldaten trugen meist eine dicke Panzerung und verschiedene Waffen. Die zentrale Figur im „Parzival“ ist ein Ritter, der damit dem gleichen gesellschaftlichen Stand angehört wie Wolfram (II, S. 199).

Schon ab dem 10. Jahrhundert setzte sich der Ritterstand zunächst nahezu aus allen freien Männern, die über Grundbesitz, Rüstung und Ross verfügten, zusammen. Die Mehrzahl der Ritter zählte zum niederen Adel. Ab dem 11. Jahrhundert gehörten auch unfreie Hofbeamte (sog. Ministerialen) zu dem Rittertum. Im 13. und 14. Jahrhundert erhoben schließlich auch die Ministerialen und Geistlichen selbst Krieger in den Ritterstand. Schließlich wurde der Ritterstand ab dem 13. Jahrhundert erblich. Stammte man von ritterlichen und adligen Vorfahren ab, so bildete dies nun die Grundvoraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand.

Jeder Ritter wurde nach seinem Treueeid von seinem Herrscher oder einem Adligen durch den Ritterschlag offiziell zum Ritter erklärt. Dabei wurde ihm bei der Zeremonie auch ein Schwert umgebunden, das er oftmals von seinem Herrn geschenkt bekam. Der Ritter war seinem Lehensherrn untergeordnet, dem er Gefolgschaft schwören musste. Dafür wurde jedem Ritter ein Landstück zugeteilt, dass ihm mitsamt den darauf lebenden Menschen ausgeliehen wurde. Während der Ritter sich voll auf den Kriegsdienst konzentrieren konnte, bewirtschafteten die Bauern als Pächter das Land und sicherten ihm sichere Erträge. Die Pflicht der Ritter war es im Gegenzug, den Bauern Schutz zu bieten und sie in unverschuldeten Notlagen zu unterstützen.

Aufgrund dieser Organisation konnte der Lehnsherr im Kriegsfall seine Truppen in kürzester Zeit zusammenrufen, ohne dass es zu Nahrungsengpässen kam. Das Lehensrecht wurde in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut, bis in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Heilige Römische Reich als ein Lehensreich mit König und Kaiser an der Spitze bezeichnet werden konnte.

Der Niedergang des Rittertums begann mit der Schlacht von Kortrijk/Courtrai (1302), als Fußsoldaten aus Flandern das französische Ritterheer besiegten. Im Verlauf der folgenden Jahre nahm der militäri...

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