Erzähltechnik

Die Erzählhaltung

Grundsätzlich handelt es sich bei Wolframs „Parzival“ um einen heterodiegetischen Erzähler. Dies bedeutet, dass der Erzähler selbst nicht als handelnde Figur am Geschehen teilnimmt. Er präsentiert sich als ein umfassend informierter Erzähler, der selbst sehr intime Situationen kennt. Um diese Illusion aufrechtzuerhalten, schließt er den Zuhörer an manchen Stellen von seinem Wissen aus: „Ich wollte schon recht gern erzählen, was geschah, wenn es nicht Frevel wäre, Heimlichkeiten offen auszubreiten“ (z.B. XII, S. 361).

Obwohl er außerhalb der Erzählung steht (extradiegetisch), tritt Wolfram an vielen Stellen deutlich als Erzähler hervor. Dabei kommentiert er z.B. das Geschehen: „Meine Erzählung ist für die Treuen und Wohlmeinenden bestimmt, nicht für die Treulosen!“ (VIII, S. 687), „...ich wollte ihre Liebe um solchen Preis nicht haben. Ich weiß nämlich selbst sehr wohl, was gut für mich ist“ (XII, S. 295). Er richtet sich auch an den Leser und  fragt beispielsweise, ob der Leser mehr zu einem Thema erfahren möchte: „Wenn ihr wollt, erzähle ich jetzt davon, ...“ (V, S. 395). Ebenso greift er als Erzähler kommentierend in das Geschehen ein und versucht, den Zuhörer mit einzubeziehen bzw. ihm den Wechsel zwischen externer und interner Fokalisierung einer Person zu verdeutlichen.

Buch als Vortrag

Bevor er von der Beschreibung von Gawans Taten zu dessen Überlegungen dahin gehend wechselt, was denn als Nächstes zu tun ist, fordert er den Zuhörer dazu auf, sich selbst Gedanken darüber zu machen: „Was meint ihr? Soll sich Gawan mit diesem Unternehmen näher befassen?“ (VII, S. 595). Hier ermöglicht es der Text dem Vortragenden, eine Kunstpause einzulegen und auf die Reaktion des Publikums zu warten, bevor er mit den Gedanken Gawans fortfährt: „Er [Gawan] selbst überlegte unschlüssig...“ (VII, S. 595). Ähnlich verhält es sich mit anderen Fragen, die an das Publikum gericht...

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