Die Blutstropfenszene

Analyse

Als Parzival zu Beginn des VI. Buchs auf eine verschneite Lichtung kommt, sieht er Wildgänse, die von einem entflogenen Falken angegriffen werden. Dabei wird eine Wildgans in der Weise verletzt, dass aus ihrem Flügel Blut tropft, das in den frischen Schnee fällt. Als Parzival die drei Bluttropfen auf dem Schnee sieht, formt sich daraus vor seinen Augen das Abbild seiner Frau. Dieser Moment und die folgenden Begegnungen mit anderen Rittern werden als die „Blutstropfenszene“ bezeichnet (VI, S. 479-519).

Völlig versunken in diesen Anblick bemerkt Parzival nicht, dass sich ihm der Ritter Segramors nähert und ihn zum Zweikampf herausfordert. Der Grund dafür ist ein Knappe, der Parzival so versunken im Wald stehen sah und dessen aufgerichtete Lanze als eine Herausforderung zum Zweikampf interpretierte. Da Segramors Parzivals Abwesenheit als weitere Provokation interpretiert, greift er ihn schließlich an.

Parzivals Pferd erkennt die Situation und stellt sich in Kampfposition, wodurch Parzival den Blickkontakt zu den Blutstropfen verliert und aus seiner Trance erwacht. Er wehrt den Angriff ab und stößt den Ritter vom Pferd. Ohne weiter auf Segramors zu achten, wendet er sich wieder den Blutstropfen zu und versinkt erneut in ihrem Anblick.

Bevor sich diese Konstellation mit dem Ritter Keye wiederholt, fügt Wolfram einen Exkurs bezüglich der Minne ein. Damit wird verdeutlicht, dass es die Liebe ist, die Parzival zu diesem Verhalten veranlasst. Nachdem Segramors wieder ins Lager von Artus zurückgekehrt ist, bittet Keye den König, Parzival ebenfalls herausfordern zu dürfen. Im Gegensatz zu Segramors versucht er, ihn aber wesentlich heftiger auf sich aufmerksam zu machen. Er bietet ihm an, ihn zu verschonen, wenn sich Parzival selbst ein Hundehalsband anlegt und er ihn so ins Lager führen darf. Da dieser aber nicht reagiert, schlägt er ihm heftig auf den Helm, sodass dieser „erdröhnte“ (VI, S. 501). Als auch dies keine Reaktion bei Parzival hervorruft, greift Keye an.

Wieder ist es das Pferd Parzivals, d...

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