Wolfgang Koeppen

Wolfgang Koeppen wurde am 23. Juni 1906 in Greifswald in Vorpommern als unehelicher Sohn einer Näherin und eines Augenarztes geboren. Er verbrachte seine Jugend bei seiner Mutter in Ortelsburg (Ostpreußen) im Hause seines Onkels, wo er schon früh einen Zugang zur Literatur fand. Nach einem elfjährigen Aufenthalt in Ortelsburg kehrte er 1919 nach Greifswald zurück. Aus finanziellen Gründen musste er vom Gymnasium auf die Mittelschule wechseln, von der er ohne Abschluss abging. Danach ging er verschiedenen Tätigkeiten nach: Er arbeitete als Volontär im Stadttheater in Greifswald, als Laufbursche bei einer Buchhandlung, als Hilfskoch und als Gelegenheitsarbeiter in Hamburg. Als Hilfskoch kam er nach Schweden und Finnland, in Würzburg betätigte er sich als Dramaturg.

1925 starb seine Mutter. 1927 ließ er sich in Berlin nieder, wo er ab 1931 zwei Jahre als fest angestellter Redakteur beim Berliner Börsen-Courier arbeitete. Vor dem Krieg war Koeppen hauptsächlich als Journalist tätig. Er schrieb etwa 200 Essays, Reportagen, Feuilletons, Theater-, Film- und Literaturkritiken. 1934 erschien sein erster Roman „Eine unglückliche Liebe“. Das Angebot, zur „Berliner Zeitung“ zu gehen, lehnte er ab und emigrierte bald danach zusammen mit jüdischen Freunden in die Niederlande, wo er bei reichsdeutschen Kinoproduktionen arbeitete. Hier begann er mit der Niederschrift des nicht vollendeten Romans „Die Jawang-Gesellschaft“. 1935 erschien der Roman „Die Mauer schwankt“, der jedoch kaum beachtet wurde. Er hatte zu dieser Zeit noch wenig Erfolg als Schriftsteller.

Ende 1939 kehrte er aus dem Ausland nach Berlin zurück, wo er in den folgenden Jahren Drehbücher für verschiedene Filmfirmen schrieb. Er arbeitete ab 1941 für die Bavaria-Filmgesellschaft in Feldafing am Starnberger See. 1945 siedelte er nach München über.

Während des Krieges schrieb er nichts. In den Jahren gleich nach dem Krieg veröffentlichte er ebenfalls keine Werke unter eigenem Namen. 1948 erschien anonym sein Buch „Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch“, zu dessen Neupublikation unter seinem Namen er erst 1992 zustimmte. Im Jahr 1948 heiratete Koeppen die Tänzerin und Schriftstellerin Marion Ulrich. Seine private und materielle Situation in den ersten Jahren nach 1945 war schwierig. Es war eine entscheidende Hilfe, dass sein Verleger ihn zum Schreiben ermutigte.

1951, 1953 und 1954 erschienen die drei Romane, die als die atmosphärisch genaueste Vergegenwärtigung des Klimas der Adenauer-Republik gelten: „Tauben im Gras“, „Das Treibhaus“ und „Der Tod in Rom“ unter dem Gesamttitel „Trilogie des Scheiterns“. Sie bilden eine thematische Einheit, in der die Restaurationsphase der Bundesrepublik Deutschland kurz nach dem Ende des Krieges an exemplarischen Personen, Situationen und Geschichten dargestellt und reflektiert wird.

1955 begann Koeppen mit Reisen nach Spanien (1955), Rom (1956), in die Sowjetunion, nach Warschau, Den Haag und London (1957), in die USA (1958) und nach Frankreich (1959) mit dem Auftrag zur Erstellung von Radio-Essays, die auch in Zeitschriften und Sammelbänden publiziert wurden. Koeppen verschaffte der Reiseliteratur in Deutschland mit „Nach Russland und anderswohin“, „Amerikafahrt“ und „Reisen nach Frankreich“ hohes Ansehen.

Koeppen war unter anderem Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland und Mitglied der Akademie der Künste. Er erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, von denen stellvertretend hier nur folgende genannt werden: der Georg-Büchner-Preis (1961), der Andreas-Gryphius-Preis (1971), das Hauptstipendium des Europa-Forums für Literatur in der Friedrich Schiller-Stiftung (1977) sowie der Arno-Schmidt-Preis (1984). 1990 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ausgezeichnet.
Der Schriftsteller starb nach langer Krankheit am 15. März 1996 in München.

Unsere produkte für Wolfgang Koeppen
  • Tauben im Gras

    Wolfgang Koeppens „Tauben im Gras“ (Erscheinungsjahr 1951) steht wie kaum ein anderes Buch der deutschen Nachkriegsliteratur für innovative Erzähltechnik und das Gefühl von Krise und Sinnlosigkeit. Un (…)