Rezension

William Shakespeares Drama „Romeo & Julia“ wird durch die schon am Anfang blutig ausgetragene Fehde zwischen den verfeindeten Familien Capulet und Montague bestimmt. In der italienischen Stadt Verona treffen Romeo und Julia aufeinander und verlieben sich unsterblich ineinander. Jedoch entstammen sie den beiden verfeindeten Familien – Julia ist eine Capulet, Romeo ein Montague.

Trotz dieser Tatsache wollen die beiden beieinander sein und lassen sich sogar heimlich von Bruder Lorenzo trauen. In der Zwischenzeit verschärft sich jedoch der Konflikt zwischen den beiden Familien, der seinen Höhepunkt darin findet, dass Romeo Tybalt, Julias Cousin, ermordet und daraufhin ins Exil nach Mantua fliehen muss. Daraufhin schwören die Capulets Blutrache. Außerdem soll Julia schon in wenigen Tagen mit Paris vermählt werden.

Julia kann dies jedoch nicht hinnehmen. Mithilfe Lorenzos versetzt sie sich in einen künstlichen, todesgleichen Schlaf und hofft, dass Romeo sie aus der Familiengruft der Capulets befreien wird. Als dieser dort erscheint, glaubt er, seine Geliebte sei tot, und begeht Selbstmord. Wenig später erwacht Julia und begeht aus Gram über den Tod Romeos ebenfalls Selbstmord. Am Ende befriedet Prinz Escalus von Verona den Konflikt zwischen den beiden Familien, doch mit dem Tod der Liebenden ist auch die Hoffnung gestorben.

Shakespeare verdeutlicht uns in seinem Drama die Kraft der Liebe, die auch gegen widrigste Umstände zu bestehen weiß und sich nicht zerstören lässt – bis in den Tod hinein. Wir verfolgen die Geschichte zweier junger Menschen, die aufgrund der Familienzugehörigkeit den Weg zueinander nur im Tod finden können. Damit ist das Werk auf heute übertragbar, denn es stellt die zerstörerischen Folgen einer unreflektierten Zuordnung von Menschen zu Gruppen dar.

Das Drama, das zu großen Teilen nach dem Vorbild der antiken Tragödie konzipiert ist, zeigt uns, wie nahe Hoffnung und Leid in der Liebe beieinander liegen. Doch der Text bietet viel mehr als diese zutiefst menschliche Erkenntnis. Die Auswahl und die Verwendung verschiedener Motive, der geschickte Einsatz der komödiantischen Elemente („comic relief“) und das Spiel mit Traditionen, etwa der Liebeslyrik Petrarcas, weisen den Autor als einen Meister seines Faches aus, der in seinen Texten die Tradition und deren Überwindung miteinander verschmelzen konnte.

Der Reiz, den das Werk noch heute ausübt, entspringt eben jener kunstvollen Ausgestaltung des Textes, aber auch der Tragik, die in dem schicksalshaften Tod der beiden Liebenden besteht und uns heute noch das Herz zerreißt – besonders deshalb, weil sie aus dem Hass und der Blindheit der Menschen besteht, die doch eigentlich überwindbar scheinen.