Schuld oder Schicksal

Wie in allen Tragödien stellt sich auch in Romeo und Julia die Frage nach der Schuld. Sind die Personen durch ihre eigenen Taten ins Unglück gestürzt worden oder beeinflusst das Schicksal die Handlung so stark, dass die Personen ihm hilflos ausgeliefert sind? In der antiken Tragödie, wie dem König Ödipus beispielsweise, sind es meist die Götter, die ein unheilsames Schicksal herbeiführen. In Romeo und Julia gibt es zwar keine Götter, doch bereits der anfängliche Chor signalisiert, dass die Liebe durch das Schicksal getrennt werden wird: „Aus beider Feinde unheilvollem Schoß entspringt ein Liebespaar, unsternbedroht, und es begräbt - ein jämmerliches Los – der Väter lang gehegten Streit ihr Tod“ (Prolog, 7). Das veraltete Wort „unsternbedroht“ bedeutet soviel wie, dass die Liebe der beiden unter keinem guten Stern steht, was auf den Eingriff des Schicksals hindeutet.

Zu Shakespeares Zeiten glaubten viele Menschen noch an die Macht der Sterne über das menschliche Leben. Gerade die Gebildeten und Adligen ließen sich für viel Geld von Astrologen Horoskope und Sternbilder erstellen, mit deren Hilfe sie ihr Schicksal ergründen wollten. Zun...

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