Liebe

Um die Besonderheit der Liebe zwischen Romeo und Julia deutlich zu machen, geht Shakespeare geschickt vor. Es ist ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich hier nicht nur um eine kindliche Schwärmerei handelt, die keinerlei Zukunft hat. Aus diesem Grund stellt er auch Romeos Liebe zu Rosaline der Liebe zu Julia voran. Der Leser kann hier ganz klar den Unterschied zwischen naiver Liebelei und tief empfundener Liebe erkennen.

Bei Rosaline versteift sich Romeo vorrangig auf Äußerlichkeiten und steigert sich in seine Schwärmerei hinein: „Ein schönres Weib als sie? Seit Welten stehn, hat die allseh'nde Sonn' es nicht gesehen“ (1. Akt, 2. Szene, 21). Bei Julia hingegen beginnt er, aufrichtige Gefühle zu entwickeln, die nicht nur der körperlichen Anziehung entstammen: „Sie spricht! O sprich noch einmal, holder Engel! Denn über meinem Haupt erscheinest Du der Nacht so glorreich wie ein Flügelbote des Himmels dem erstaunten, über sich gekehrten Aug' der Menschensöhne, die Sich rücklings werfen, um ihm nachzuschaun, Wenn er dahin fährt auf den trägen Wolken und auf Luft gewölbtem Busen schwebt“ (2. Akt, 2. Szene, 42).

Die Art, die Romeo bei Rosaline an den Tag legt und die ihn als einen überschwänglichen Liebenden kennzeichnet, war zu Shakespeares Zeiten sehr in Mode. Es war geradewegs schick, sich so zu verhalten. Au...

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