Schicksal und freier Wille

Die Begriffe Schicksal und freier Wille wirken auf den ersten Blick wie zwei streng voneinander getrennte Gegensätze. In „Macbeth“ gehen die Begriffe allerdings eine Synthese ein. Das Schicksal scheint oft eine Richtung vorzugeben, die aber nicht notwendigerweise eingeschlagen werden muss. Oder der freie Wille wird durch den Schicksalsglauben in so starkem Maße beeinflusst, dass beide untrennbar miteinander verflochten sind.

Die drei Hexen als Verkörperung des Schicksals

Im Drama verkörpern die drei Hexen gewissermaßen die Macht des Schicksals. Sie haben keine persönliche Beziehung zur menschlichen Welt und fungieren deshalb als außenstehende Mächte. Das heißt aber nicht, dass sie keine eigene Agenda verfolgen.

Gleich zu Beginn des Dramas verkünden sie, als dunkle Kräfte in die Geschicke Schottlands eingreifen zu wollen (vgl. S.7). Diesem Vorsatz werden sie bereits im ersten Akt gerecht (vgl. S.12ff.). Sie verheißen Macbeth einen weiteren Than (Lehnsmann)-Titel und die Königswürde, während sie Banquo prophezeien, dass seine zukünftigen Nachfahren die Könige Schottlands sein werden. Damit säen sie sowohl zwischen Duncan und Macbeth, als auch zwischen Macbeth und Banquo ein beträchtliches Konfliktpotenzial.

Anschließend ziehen die drei Hexen sich für längere Zeit aus dem Drama zurück, da die Ereignisse auch ohne ihr weiteres Zutun ihren Lauf nehmen. Erst im vierten Akt üben sie mit einer weiteren Prophezeiung erneut Einfluss auf den Lauf der schottischen Geschichte aus (vgl. S.73ff.). Sie warnen Macbeth vor Macduff – damit liefern sie ihm einen Grund, dessen gesamte Familie umbringen zu lassen und sich ihn damit zum Erzrivalen zu machen. Außerdem wiegen sie Macbeth in falscher Sicherheit, indem sie ihm zweierlei prophezeien: Zum einen, dass er nur von jemandem besiegt werden könne, der nicht von einer Frau geboren wurde (vgl. S.74). Zum anderen, dass er bis zu dem Tag unverwundbar sei, an dem ein Wald zu seinem Schloss emporsteige (vgl. S.75). Beide Prophezeiungen sind so unwahrscheinlich, dass Macbeth sich selbst bei der Belagerung seines Schlosses im letzten Akt noch siegessicher fühlt (vgl. S.100).

Fast alle der von den drei Hexen formulierten Prophezeiungen erfüllen sich im Verlauf des Dramas. Macbeth wird tatsächlich der König Schottlands. Und er wird scheinbar deshalb besiegt, weil ihn jemand bezwingt, der nicht direkt von einer Frau geboren wurde, sondern durch einen Kaiserschnitt zur Welt kam. Außerdem sieht es von seinem Schloss aus tatsächlich so aus...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen