Ehrgeiz und Machtgier

Ehrgeiz und Machtgier lassen sich in „Macbeth“ oft als Synonyme verwenden oder doch zumindest als zwei einander bedingende Begriffe: Wo übersteigerter Ehrgeiz vorherrscht, kann die Machtgier nicht fern sein und an ungezügelte Machtgier muss notwendigerweise ehrgeiziges Verhalten geknüpft sein. Während Machtgier aber durch und durch negativ konnotiert ist, bietet das Wort „Ehrgeiz“ noch eine positive Lesart an. Sie taucht an einigen Stellen sogar im Drama auf.

Macbeths Streben nach Ehre und Erfolg

Der Begriff „Ehrgeiz“ an sich bezeichnet schlicht ein überdurchschnittlich starkes Streben nach Ehre und Erfolg. Das muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein, sondern kann, im Gegenteil, zu regelrecht guten Taten führen.

Nicht zu vergessen ist auch, dass Shakespeares Drama Macbeth im 11. Jahrhundert spielt. Der Ehrbegriff ist zu dieser Zeit noch viel dominierender als in der Gegenwart und der Ehrverlust eines der schlimmsten Szenarien für einen Adligen. Seine Ehre mehren zu wollen, um im gesellschaftlichen Ansehen aufzusteigen, ist somit nicht von Grund auf verwerflich. Da die gesellschaftlichen Schranken damals aber nahezu undurchlässig sind, bleiben für den Ehrgewinn auf legalem Wege nicht viele Optionen. Naheliegend für einen Mann ist die erfolgreiche Bewährung im Kampf für den König.

Genau so gelingt es Macbeth zu Beginn des Dramas, im gesellschaftlichen und ganz besonders im Ansehen des schottischen Königs Duncan aufzusteigen. Er hat sich heldenmutig einer feindlichen Offensive entgegengestellt und sie erfolgreich zurückgeschlagen (vgl. S.9). Zum Dank und zur Anerkennung erhält er den Titel des Than von Cawdor und damit ein weiteres Lehensgebiet (vgl. S.19).

Bis zu diesem Zeitpunkt ist sein Lehnsverhältnis zu Duncan folglich genauso, wie es sein sollte: Macbeth respektiert ihn als König und obersten Lehnsherrn, während Duncan ihm ermöglicht, innerhalb des Rangsystems weiter aufzusteigen. Aus dem Gleichgewicht gerät dieses Verhältnis erst dann, als Macbeth von den Prophezeiungen der drei Hexen hört.

Das Treffen

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