Shakespeares London und Theater

London im 16. Jahrhundert

London ist schon im 16. Jahrhundert die wichtigste Stadt Englands. Es ist nicht nur die englische Hauptstadt, sondern mit 200.000 Einwohnern auch eine der größten Metropolen Europas. In London liegt der wirtschaftliche, politische und kulturelle Mittelpunkt der britischen Insel. Es ist das wichtigste Handelszentrum, der Krönungs- und Residenzort der englischen Königsfamilie und mit dem aufblühenden Theater auch Vorreiter in der kulturellen Entwicklung des Landes.

Trotzdem ist das London des 16. Jahrhunderts nicht mit der heutigen Stadt vergleichbar. Die Hygienestandards sind denkbar schlecht. Abfälle werden einfach auf die Straßen geworfen, Abwässer direkt in die Themse gekippt. Seuchen können sich folglich ungehindert ausbreiten. Eine medizinische Versorgung ist so gut wie nicht existent. Außerdem ist London eine Hochburg mittelalterlicher Kriminalität. Taschendiebstähle sind an der Tagesordnung und aufgrund der Tatsache, dass jedermann bewaffnet unterwegs ist, können gewaltsame Auseinandersetzungen blitzschnell tödlich enden.[1]

Das „Theater-Business“

In der heutigen Zeit wird das Theater gerne als Bühne der Kunst charakterisiert, als ein durch und durch künstlerisch orientierter Verband, für den wirtschaftliche Interessen eine äußerst untergeordnete Rolle spielen. Über das elisabethanische Theater kann bei Weitem nicht das Gleiche ausgesagt werden.

Theater werden zu dieser Zeit von Kaufleuten gegründet, die in erster Linie am größtmöglichen wirtschaftlichen Gewinn interessiert sind. Deswegen können Theatertexte vorrangig nicht als das Werk eines autonomen, losgelösten Künstlers gesehen werden, sondern als Produkt eines profitorientierten Unternehmens. Geschrieben wird das, was sich am besten verkaufen lässt.

Dazu zählen in der elisabethanischen Zeit vor allem Darstellungen von Gewalt, Tod und dem Übernatürlichen. Außerdem richtet sich die Produktion von Theatertexten oftmals nach der Nachfrage. Werden gerade neue Stücke benötigt, müssen sie schnellstmöglich verfasst werden.[2] Die Dramen wollen, wie auch „Macbeth“, ihr Publikum zur Tugend veranlassen und es gleichzeitig vom Laster abschrecken.

Shakespeare selbst ist von diesem Grundsatz nicht gänzlich ausgenommen. Seine Theatertruppe, die „Lord Chamberlain’s Men“, besitzt mit dem Globe Theater die wichtigste Theaterbühne Londons im 16. Jahrhundert. Die der Truppe angehörenden Schauspieler sind gänzlich von ihrem Gewerbe abhängig, erweisen sich darin allerdings als sehr erfolgreich.

Bereits zur Regentschaft Elisabeths I. dürfen sie mehrmals am königlichen Hof auftreten und als 1603 Jakob I. König wird, können sie ihre gute Stellung sogar noch ausbauen. Sie nennen sich in die „King’s Men“ um und werden direkt der königlichen Schutzherrschaft unterstellt. Die Abhängigkeit von den Herrschenden bedeutet aber auch, dass Shakespeares Texte gänzlich frei von Kritik an den Zuständen seiner Zeit sind. Im Gegenteil: In „Macbeth“ bestätigt Shakespeare höchstwahrscheinlich den Herrschaftsanspruch seines neuen Königs Jakob I. (vgl. Entstehung und autobiografische Bezüge).

Das Theaterpublikum

Anders als in der heutigen Zeit besteht das Theaterpublikum nicht in erster Linie aus Mitgliedern des bildungsbürgerlichen Spektrums. Vertreten sind vor allem die Unterschicht und der Adel. Die Unterschicht kann sich den Theaterbesuch meistens ohne größere Probleme leisten, da er in der Regel nicht teurer als eine kleine Mahlzeit ist.

Die günstigsten Theaterkarten gibt es zu Zeiten Shakespeares schon für einen Penny. Das ärmere Publikum muss eng gedrängt im Parterre stehen. Wohlha...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen