Das elisabethanische Weltbild

Die gottgewollte hierarchische Ordnung der Welt

Die elisabethanische Zeit steht an einem Wendepunkt zwischen Mittelalter und Neuzeit. Folglich unterscheidet sich das zeitgenössische Weltbild in gravierender Weise von dem der modernen Zeit.

Der gesamte Kosmos wird als ein von Gott geordnetes System (s. Interpretation zur göttlichen Ordnung) betrachtet, in dessen Mittelpunkt die Erde steht. Auf der Erde sind wiederum alle Formen des Daseins kategorisiert und in einem hierarchischen System verortet.

Im elisabethanischen Weltbild thront Gott als Schöpfer über allen Rangstufen. Die oberste Stufe wird von den Engeln besetzt, ihnen folgen die Menschen, an deren Spitze die Monarchin steht. Nach den Menschen kommen die Tiere, weil ihnen die Fähigkeit, zu fühlen, zugeschrieben wird, unter ihnen stehen die Pflanzen. Die unterste Stufe in der Rangordnung bildet die tote Materie (z.B. Gold).

Zugewiesener Platz und Standesgrenzen

Jede einzelne Ebene der hierarchischen Rangordnung ist noch einmal in sich selbst untergliedert. Nicht jede Pflanze, nicht jedes Tier nimmt eine gleichberechtigte Stellung innerhalb ihrer/seiner Ebene ein. Genauso verhält es sich auch mit den Menschen.  Nicht jeder Mensch wird als gleichberechtigt angesehen.

Jeder Mensch muss die ihm zugewiesenen Standesgrenzen akzeptieren. Der König steht beispielsweise über den Adligen, die Adligen wiederum über den Bauern. Nur dann, wenn jedes Geschöpf seinen ihm zugewiesenen Platz in der Welt einnimmt und akzeptiert, kann es Harmonie in der Natur und im Kosmos geben.[1]

Jedem Menschen wohnt nach biblischem Verständnis die Erbsünde (gemeint ist Adam und Evas Vertreibung aus dem Paradies, weil sie Gottes Willen nicht befolgt haben) inne. Der Charakter des Menschen wird also bei Weitem nicht als makellos begriffen. Wenn der Mensch sich gegen seinen göttlich zugewiesenen Stand erhebt, gefährdet er damit das auch gesamte System, den gesamten Kosmos.

In „Macbeth“ lässt sich dafür ein sehr eingängiges Beispiel finden. An dem Morgen nach Duncans Tod befindet sich nicht nur die menschliche Welt im Chaos, auch die Natur gehorcht ihren eigenen Gesetzen nicht mehr: Der Tag bleibt dunkel wie die Nacht (vgl. S.45). Herbeigeführt wird der Zustand durch den machthungrigen Macbeth, der sich über seinen adligen Stand erhebt, indem er nach der Königskrone greift.

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