Träume und Visionen

Duncans Ermordung

Obwohl die Begriffe Träume und Visionen auch eine positive Lesart offenlegen, sind sie in Macbeth beinahe durchgängig mit dem Motiv des Wahnsinns verknüpft. Träume sind bei ihm nicht den romantischen Querdenkern vorbehalten, sondern den von Schuld Gequälten. Visionen sind keine auf die Zukunft gerichteten Hoffnungen, sondern blutige Einbildungen in der Gegenwart.

Wer von Träumen oder Visionen befallen ist, zählt im Drama also nicht unbedingt zu den moralischen Vorbildern.

Kurz bevor Macbeth Duncan ermordet, befindet er sich nicht im Einklang mit sich selbst. In den vorangegangenen Szenen ist deutlich geworden, dass er große Vorbehalte dagegen hat, ihn umzubringen. Doch in ihm regieren nicht nur sein eigener Ehrgeiz, sondern auch die Vorstellungen und Wünsche seiner Ehefrau.

Der Zwiespalt mit sich selbst wird durch eine bildreiche Vision begleitet: In der Dunkelheit erblickt Macbeth einen Dolch mit einem ihm zugekehrten Griff (vgl. S.32). Er kann ihn nicht berühren. Aber er sieht deutlich, wie Blut von der eingebildeten Waffe herabtropft (vgl. S.33). Die Parallelen zu seinem mörderischen Vorhaben müssen vom Publikum nicht selbst gezogen werden, sie werden von Macbeth umgehend erkannt: Der Dolch geht den Weg voraus, den er selbst einschlagen will (vgl. S.33).

In diesem Sinne kann das Mordwerkzeug symbolisch für die Fremdbe...

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