Selbstmord und Tod

Der Tod als Leitmotiv

Der Tod durchzieht „Hamlet“ als ein regelrechtes Leitmotiv. Er ist vom ersten Akt an bis zum Ende des Dramas präsent und tritt in einer Vielzahl unterschiedlicher Formen auf: Als hinterhältiger Brudermord, versehentliche Ermordung, als ein Unfall mit selbstmörderischem Charakter, als Vergeltung, als eine unglückliche Fügung, als Resultat eines Zweikampfes und schließlich als Rachemord. Alle Hauptfiguren, mit Ausnahme von Horatio, sterben im Stück hintereinander weg. Am Ende der Tragödie kommt ein reguläres Blutbad zustande, in dessen Rahmen die vier Hautprotagonisten auf verschiedene Weisen ums Leben kommen.

Nicht nur die tatsächlichen Todesfälle sind dabei relevant, sondern auch die Art und Weise, wie über den Tod nachgedacht und mit ihm umgegangen wird. Vor allem für Hamlet stellt sich die Frage, wessen Leben er ein Ende setzen soll: Seinem eigenen oder dem seines mörderischen Onkels.

Tod von Hamlets Vater

Bereits in der Exposition erfährt Hamlet, dass Claudius seinen Vater auf hinterhältige Weise ermordet hat. Er hat ihn im Schlaf vergiftet und anschließend ganz Dänemark glauben gemacht, dass der König an den Folgen eines Schlangenbisses gestorben ist.

Der Tod fungiert in diesem Fall eindeutig dazu, die wahre Loyalität der höfischen Mitglieder aufzudecken. Die Königin Gertrude misst dem Tod ihres Ehemannes hingegen nur geringe Bedeutung zu. Sie vermählt sich nach weniger als zwei Monaten mit dessen Bruder und bezeichnet seinen Tod als eine schicksalsbedingte Notwendigkeit: „was lebt, muss sterben“ (S.17). Der Tod des Königs scheint am Hof kaum diskutiert zu werden. Tatsächlich ist Hamlet der Einzige, der auch mehrere Wochen nach dem Tod seines Vaters noch aufrichtig um ihn trauert.

Durch Hamlets fortdauernde Loyalität zu seinem Vater wird verhindert, dass dessen Tod in Vergessenheit gerät. Noch bevor er als Geist erscheint, hält er die Erinnerung an seinen Vater hoch und verteufelt die erneute Hochzeit seiner Mutter (S.20). Als ihm dann bereits im ersten Akt der Geist seines verstorbenen Vaters erscheint, wird schnell klar, was für eine herausragende Rolle die Ermordung des ehemaligen Königs spielen wird: Sie fordert Hamlet zur Rache auf. Der Tod des alten Königs fungiert im ganzen Stück als Prämisse und fundamentaler Handlungsantrieb.

Tod des Polonius

Polonius‘ Tod ist das Resultat seines Mitwirkens in Claudius’ Intrigen und einer fatalen Verwechslung. Als er auf einem Dramenhöhepunkt ein Gespräch zwischen Gertrude und Hamlet belauscht, hält Hamlet ihn fälschlicherweise für seinen Onkel und ersticht ihn in einem Anfall aus Wut.

Die Reaktionen auf Polonius‘ Tod fallen äußerst unterschiedlich aus, eines aber ist sicher: Er treibt die Handlung erneut gravierend voran und leitet die Peripetie ein. Claudius erkennt nun, dass Hamlet dazu bereit ist, ihn zu töten (S.110), Laertes verlässt Frankreich und kehrt nach Dänemark zurück, um nun seinerseits den Tod seines Vaters zu rächen, und Ophelia verliert seinetwegen ihren Verstand.

Während Polonius‘ Kinder von seinem Tod tief getroffen werden, reagiert ein großer Teil der Hofgesellschaft mit ähnlicher Gleichgültigkeit wie nach dem Tod des alten Hamlets. Gertrude ruft im Moment der Ermordung zwar laut aus: „Weh mir! was tatest du?“ (S.102), nimmt aber ansonsten keinerlei Anteil an Polonius‘ Schicksal.

Hamlet verhält sich noch bei weitem kaltherziger. Seinen Irrtum scheint er kaum zu bereuen und er kommentiert ihn nur mit den Worten: „Ich nahm dich für ‘nen Höhern: nimm dein Los, du s...

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