Die Rolle der Frauen

Gertrude

Hamlets Hass und Verachtung

Zu Beginn des ersten Aktes, bevor Hamlet überhaupt weiß, dass sein Onkel für den Tod seines Vaters, des alten Hamlets, verantwortlich ist, stellt er deutlich heraus, dass Claudius nicht mit seinem Vater zu vergleichen ist, und beschreibt ihn metaphorisch als „Satyr“ (S.19). Ansonsten bedenkt er ihn aber nicht mit vielen Worten.

Hamlets Verachtung und sein Hass gelten vor allem Gertrude. Ihn quält vor allem eine Tatsache: Dass seine Mutter sich nach weniger als zwei Monaten nach dem Tod ihres Mannes neu verheiratet und damit die Trauer um ihn aufgegeben hat. In seinem ersten Monolog redet er kaum über etwas anderes als die moralische Schwäche seiner Mutter: „Schwachheit, dein Nam‘ ist Weib! (…) O schnöde Hast, so rasch in ein blutschänderisches Bett zu stürzen! Es ist nicht und es wird auch nimmer gut“ (S.20).

Als Hamlet vom Geist seines verstorbenen Vaters zur Rache an Claudius aufgefordert wird, muss er sich dazu zwingen, den Konflikt mit seiner Mutter in den Hintergrund zu rücken. Er wird vom Geist explizit dazu aufgefordert, nichts gegen seine Mutter zu unternehmen, sondern sie „dem Himmel und den Dornen, die im Busen Ihr stechend wohnen“ (S.37) zu überlassen. Allerdings kann Hamlet sich selbst nicht davon abhalten, seine Mutter direkt nach dem Erscheinen des Geistes erneut als „höchst verderblich Weib“ (S.38) zu verfluchen. Gertrude bleibt das Objekt von Hamlets Verachtung, das ist ihre Hauptrolle im gesamten Stück.

Am eindrücklichsten zeigt sich die Mutter-Sohn-Beziehung in der letzten Szene des dritten Aktes. Hamlet erhebt eine heftige Moralklage gegen sie, zeigt ihr gegenüber keinen Respekt mehr und weist sie dazu an, eine Tugend anzunehmen, die sie nicht hat (vgl. S.107). Hamlets Auftreten ist so heftig, dass Gertrude um ihr Leben fürchtet und der Geist von Hamlets Vater erneut erscheint, um ihn zur Mäßigung aufzurufen (vgl. S.105). Hamlets latente Aggression gegenüber seiner Mutter droht folglich das ganze Drama hindurch, an die Oberfläche zu dringen. 

Gertrude und Claudius

Gertrude ist nicht nur das Objekt von Hamlets Hass, sondern auch das von Claudius‘ Begierde. In ihrer Beziehung mit Claudius verhält sich Gertrude eher passiv. Sie wehrt sich nicht dagegen, dass ihr geliebter Sohn von mehreren Seiten ausspioniert wird, fungiert sogar selbst als Lockvogel und lässt zu, dass Hamlet als Tributeintreiber nach England geschickt wird. Ob sie so handelt, weil sie Claudius wirklich liebt, kann nicht genau herausgefunden werden. Gertrude bekommt keinen einzigen Monolog zugestanden und wird in keinem Dialog gezeigt, in dem sie viel von ihrem Inneren preisgeben könnte.

Gertrude scheint in der Ehekonstellation vor allem dazu zu dienen,...

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