Rezeption und Kritik

Der englische „Hamlet“

Bereits 1603, also kurz nach der wahrscheinlichen Entstehung des Stücks, soll es nicht nur in London, sondern bereits in den Universitätsstädten Oxford und Cambridge bekannt gewesen sein. „Hamlet“ entpuppt sich beinahe sofort als ein wahrer Erfolg: Das Drama entwickelt sich in nur wenigen Jahrzehnten zum meistgespielten Stück auf den englischen Theaterbühnen. Bereits im Jahre 1710 stellt der englische Politiker Anthony Ashley Cooper, der auch als der 1. Earl of Shaftesbury bekannt ist, fest, dass „Hamlet“ das Stück sei, was die englischen Herzen am meisten berühre.[1]

Tatsächlich erfreut sich „Hamlet“ im 18. Jahrhundert nicht nur großer Beliebtheit, das Drama mutiert zum regelrechten Bildungsgut und ist im englischen Bewusstsein beinahe omnipräsent. Als der deutsche Wisse…

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Geschichte der deutschen „Hamlets“

Bereits im Jahre 1626, also nur etwas mehr als 20 Jahre nach den vermutlich ersten Aufführungen in England, wurde „Hamlet“ auch auf der deutschen Theaterbühne aufgeführt. Was sich in den nächsten Jahrhunderten entwickelt, ist eine unvergleichliche Affinität der Deutschen zu „ihrem“ Prinzen Hamlet. Im 18. Jahrhundert entstehen die ersten populären „Hamlet“- Übersetzungen des aufklärerischen Dichters Christoph Martin Wieland und des Romantikers August Wilhelm Schlegel. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gehört „Hamlet“ zum festen schauspielerischen Repertoire in Deutschland.

Eine der bekanntesten „Hamlet“-Interpretationen in Deutschland stammt von Goethe persönlich. In seinem berühmten Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1796) charakterisiert der Protagonist Wilhelm Meister Hamlet als einen edlen und moralisch geleite…

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Adaptationen in der Gegenwart

Gegenwärtig gehört „Hamlet“ sowohl in England als auch in Deutschland zu den meistgespielten Stücken im Theater. Allein in Deutschland werden jährlich 15 bis 20 verschiedene Inszenierungen des Stücks aufgeführt. Eine eindeutige Rezeptionslinie gibt es allerdings kaum mehr. Mal wird die Textgrundlage ausgesprochen genau befolgt, mal wird eine experimentelle und moderne Inszenierung auf die Bühne gebracht.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat „Hamlet“ auch die Leinwand erobert. 1921 wurde das Drama erstmals von den Regisseuren Sven Gade und Heinz Schall verfilmt. In der Hauptrolle ist die Schauspielerin Asta Nielsen zu sehen. Dass Hamlet von einer Frau gespielt wird, ist in dieser Inszenierung keine rein künstlerische Überlegung: Der Film basiert auf der These des amerikanischen Shakespeare-Forschers Edward P. Vining, die zum Inhalt hat, dass der Hamlet der Legende eigentlich als Mädchen geboren wurde und sich nur aus politischen Gründen als Junge ausgeben musste. Die These besitzt zwar nur eine geringe Überzeugungskraft, ist aber ein Indiz dafür…

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