Rosenkranz und Güldenstern

Hamlets Jugendfreunde

Rosenkranz, Güldenstern und Hamlet kennen sich seit ihren gemeinsamen Kindheitstagen. Sie wurden gemeinsam erzogen und haben bis in die Gegenwart hinein den Kontakt zueinander gehalten (vgl. S. 47). Hamlets Mutter Gertrude ist sogar der Ansicht, dass ihr Sohn die beiden als seine besten Freunde einstuft: „Ihr lieben Herren, er hat euch oft genannt. Ich weiß gewiss, es gibt nicht andre zwei, an denen er so hängt“ (S. 48). Hamlet scheint seine beiden Freunde zu Beginn des Dramas tatsächlich noch hochzuschätzen. Bei ihrer ersten Begegnung im Stück bezeichnet er sie noch als seine „trefflichen guten Freunde“ und als „gute Burschen“ (S. 56).

Doch schon in der ersten Szene, in der Rosenkranz und Güldenstern auftreten, werden erhebliche Zweifel an ihrer Loyalität Hamlet gegenüber geweckt: In Helsingör angekommen, sind die beiden jungen Studenten schnell in die intriganten Vorgänge am Hofe verstrickt.  Sie erklären sich willig und unterwürfig dazu bereit, Hamlet in König Claudius‘ Diensten auszuspionieren (vgl. S. 47f.). In der gleichen Szene zeigt sich auch, dass sie käuflich sind, denn Gertrude verspricht ihnen, ihren Besuch zu „belohnen, wie es sich ziemt für eines Königs Dank“ (S. 48). Moralische Bedenken scheinen sie dabei nicht zu hegen. Die Macht und die höfische Hierarchie sind ihnen anscheinend deutlich wichtiger als die Freundschaft.

Da König Claudius einen höheren Rang als Prinz Hamlet einnimmt, versprechen sie sich von ihm deutlich höhere Entlohnungen und Dankesgaben als von Hamlet. Güldensterns Äußerung: „Wir gehorchen beide. Und bieten uns hier an, nach besten Kräften zu Euren Füßen unsern Dienst zu legen, um frei damit zu schalten“ (S. 48), zeigt die Unterwürfigkeit der beiden angesichts von Claudius` Autorität als König.

Rosenkranz und Güldenstern sind dem Königspaar gegenüber sogar so gehorsam, dass sie ihnen das Recht übertragen, frei über sie zu verfügen: „Es stände Euren Majestäten zu, nach herrschaftlichen Rechten über uns mehr zu gebieten nach gestrengem Willen als zu ersuchen“ (S. 48). Ohne zu zögern, übernehmen sie die Erledigung ihrer neuen Aufgabe und suchen Hamlet auf, um der Ursache seines Wahnsinns auf den Grund zu gehen.

Die durchschaubaren Spione

Bei der Ausführung ihres Spionageplans zeigt sich schnell, dass Rosenkranz und Güldenstern trotz aller Hinterlistigkeit nicht die n...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 4,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen