Ophelia

Ophelia als Hamlets Geliebte

Ophelia ist Hamlets Geliebte. Sie ist die Tochter des Oberkämmerers Polonius und Laertes‘ Schwester. Der Höhepunkt von Hamlets und Ophelias Beziehung und die Momente größter gemeinsamer Zuneigung liegen terminlich kurz vor der einsetzenden Handlung des Dramas. Nachdem Hamlet Ophelia mehrfach seine Liebe geschworen und sie mit Zuneigung überhäuft hat, hat sie ihm bereitwillig „vertraute Zeit geschenkt“ (S. 28) und ihn nicht davon abgehalten, sie auch alleine aufzusuchen. Ob es dabei auch zu erotischen Kontakten zwischen beiden Charakteren gekommen ist, wird im Drama offengelassen. Es kann vermutet werden, dass Ophelia Hamlets Liebe erwidert hat.

Polonius und Laertes charakterisieren Ophelias ungezwungenes Verhalten Hamlet gegenüber in jedem Falle als hochgradig naiv: Sie dürfe den Liebessschwüren eines jungen Prinzen nicht vorbehaltlos Glauben schenken und ihre eigene Ehre dabei so unbedacht vergessen (vgl. S. 25ff.). Ophelias männliche Verwandten sind offensichtlich in starkem Maße davon überzeugt, dass Hamlet sich nur sexuell mit ihr vergnügen will und keine Intentionen dahin gehend hegt, sie im Gegenzug auch zu heiraten. Zweifel an Hamlets Aufrichtigkeit sind Ophelia selbst nicht gekommen. Sie gibt selbst zu, fest von seiner Liebe zu ihr überzeugt gewesen zu sein (vgl. S. 76).

Ophelia als gehorsame Tochter und Schwester

Obwohl Ophelia selbst nie an Hamlets Liebe gezweifelt hat, lässt sie sich von ihrem Vater und Bruder bereitwillig davon überzeugen, diese Liebe für nichts weiter als ein jugendliches Verlangen zu halten: Es gelingt Polonius und Laertes, ihr gesamtes bisheriges Vertrauen in Hamlet mit wenigen Worten zu erschüttern. „Ihr sollt mir, grad heraus, von heute an, die Muße keines Augenblicks so schmähn, dass ihr Gespräche mit Prinz Hamlet pflöget. Seht zu, ich sag's Euch: geht nun eures Weges!“ (S. 30).

Als ihr Vater sie verächtlich fragt, ob sie seinen Anträgen denn vertraue, wird sie sogleich in Zweifel gestürzt und gibt zu, nun nicht mehr zu wissen, was sie glauben soll (vgl. S. 28). Damit erweist sie sich als ein sehr leicht zu überzeugender und unsicherer Charakter, der den Urteilen anderer mehr vertraut als den eigenen. Gegenüber ihren männlichen Verwandten zeigt sie einen geradezu kindlichen Gehorsam. Ohne irgendeinen Widerstand zu leisten oder zu versuchen, sie von Hamlets Aufrichtigkeit zu überzeugen, verspricht sie, sich künftig von ihm fernzuhalten (vgl. S. 30). Dieses Versprechen setzt sie auch sogleich in die Tat um.

Ophelias Charakterschwäche kann auf ihre Jugend und Unerfahrenheit zurückgeführt werden. Sie scheint in vielerlei Hinsicht eine konfliktscheue und anpassungsfähige Person zu sein. Das kann mit der Rolle der Frau in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft in Verbindung gebracht werden.[1] Sie gehorc...

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