Laertes

Der draufgängerische Familienmensch

Laertes ist Polonius‘ Sohn und Ophelias Bruder. Er studiert vor Beginn der Dramenhandlung in Paris, hat seine Studien aber pflichtbewusst unterbrochen, um dem neuen König Claudius bei dessen Krönung Respekt zu zollen. Erst als die Feierlichkeiten vorüber sind, bittet er seinen Vater und den König darum, wieder nach Frankreich zurückkehren zu dürfen (vgl. S. 16).

Laertes ist die Ehre seiner Familienmitglieder außerordentlich wichtig. Gleich zu Beginn des Dramas fordert er seine Schwester Ophelia beispielsweise dazu auf, Hamlets Liebesschwüren nicht länger zu trauen. Er fürchtet, dass sie sonst ihre Jungfräulichkeit und damit ihre Ehre verlieren könnte (vgl. S. 26). In Bezug auf Ophelia rät er also dringend von übereilten und unbedachten Taten ab.

Laertes selbst scheint jedoch keineswegs ein vorbildliches und tugendhaftes Leben zu führen. Sowohl seine Schwester als auch sein Vater Polonius ermahnen ihn, sich nicht zu übermütig und ungezügelt zu verhalten. Ophelia bittet ihn darum, nicht als „frecher, lockrer Wollüstling“ den „Blumenpfad der Lust“ (S. 26) zu betreten, und Polonius hält es für angebracht, seinem Sohn ein ganzes Sammelsurium an Ratschlägen mit auf den Weg zu geben – darunter vor allem solche, die ihn zur Vorsicht und Besonnenheit mahnen (vgl. S. 27f.).

Polonius misstraut seinem Sohn sogar so sehr, dass er seinen Diener Reinhold damit beauftragt, ihn in Frankreich auszuspionieren (vgl. S. 42ff.). Es wird schnell klar, dass Polonius Laertes verdächtigt, sich bereits mehrerer moralischer Vergehen schuldig gemacht zu haben: „Trinken, Raufen, Fluchen, Zanken, Huren“ (S. 43) hält er alle für mögliche Zeitvertreibe seines Sohnes. Wenn das Bild, das Polonius von seinem Sohn zeichnet, authentisch ist, dann erscheint Laertes als ein draufgängerischer, unbedachter und vorlauter junger Mann, der ein ausschweifendes und vergnügungssüchtiges Leben führt.

Laertes‘ übereilter Rachefeldzug

Als Laertes hört, dass sein Vater ermordet wurde, kehrt er überstürzt nach Dänemark zurück. Obwohl er die wahre Identität des Mörders gar nicht kennen kann, macht er König Claudius voreilig für den Tod seines Vaters verantwortlich und kann innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Heerschar um sich versammeln. Er ist so charismatisch und zielstrebig, dass das dänische Volk ihn sogleich zu seinem neuen König ausrufen will (vgl. S. 123). Laertes scheint jedoch nur darauf bedacht zu sein, den Tod seines Vaters zu rächen.

Ohne lange zu zögern, fällt er mit einer bewaffneten Schar im Schloss Helsingör ein und fordert von König Claudius Rechenschaft für Po...

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