Hamlet

Der kultivierte Prinz

Hamlet ist der jugendliche Protagonist des gleichnamigen Dramas. Er ist der Thronprinz von Dänemark und Sohn des kürzlich verstorbenen Königs, der ebenfalls Hamlet hieß. Claudius, der Bruder des verstorbenen Königs und der neue König von Dänemark, ist sein Onkel. Gertrude, die Witwe des alten Königs Hamlet und die neuangeheiratete Frau des Claudius, ist seine Mutter. Es ist davon auszugehen, dass Hamlet etwa 30 Jahre alt ist.

Hamlet absolviert gerade ein Studium an der Universität von Wittenberg, als er vom Tod seines Vaters erfährt. Aufgrund dieser schrecklichen Nachricht kehrt sofort er an den dänischen Königshof zurück. Hier wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Mutter Gertrude nicht einmal zwei Monate lang um ihren verstorbenen Mann getrauert hat, sondern sogleich Hamlets Onkel Claudius geheiratet hat, der nun auf dem dänischen Thron sitzt (1. Akt; II. Szene, S. 14).

Hamlets universitäre Ausbildung kommt das gesamte Stück hindurch deutlich zum Tragen. Er ist sehr kultiviert und intelligent und zeigt außerdem großes Interesse an Poesie und Kunst. Als eine Schauspieltruppe im dänischen Schloss Helsingör eintrifft, will Hamlet von ihr zum Beispiel sofort eine Rede über den Trojanischen Krieg hören. Einen Großteil der Rede kann er selbst bereits auswendig aufsagen und künstlerisch vortragen (vgl. S. 65f.). Das zeigt nicht nur, dass er künstlerisch veranlagt ist, sondern auch, dass er mit den Kernaspekten der griechischen Mythologie gut vertraut ist.

Außerdem ist Hamlet schauspielerisch versiert genug, um den Schauspielern zahlreiche Ratschläge für die geplante Aufführung erteilen zu können (vgl. S. 80f.). Das deutete darauf hin, dass er bereits mehrere Theaterstücke gesehen und sich intensiv mit dem Wesen der Schauspielkunst auseinandergesetzt hat.

Hamlets Kreativität drückt sich in vielen Momenten des Dramas aus. Es ist für ihn beispielsweise kein Problem, ein offizielles Schriftstück zu fälschen (vgl. S. 153), auf Antworten symbolträchtige und wortgewandte Antworten zu geben und im Laufe der Handlung blitzschnell neue Pläne zu schmieden.

Der isolierte Trauernde

Als der neue König Claudius Hamlets Mutter heiratet, liegt der Tod von Hamlets Vater noch nicht einmal zwei Monate lang zurück. Für Hamlet kommt die übereilte Hochzeit seiner Mutter einem Verrat am Andenken seines Vaters gleich (vgl. S. 20). Er hat das Gefühl, der Einzige zu sein, der aufrichtig um seinen Verlust trauert: Aus Loyalität und fortdauernder Liebe zu ihm kleidet er sich noch immer ganz in Schwarz, gibt sich keinen Vergnügungen hin und hält seine Trauer auch vor der Hofgesellschaft nicht geheim (vgl. S. 17).

Sein Onkel Claudius lobt diese Einstellung zwar als für das Herz „rühmlich“, weist seinen Neffen aber deutlich darauf hin, sich nicht länger in „eigenwill’gen [und unmännlichen] Klagen“ (S. 18) zu verstricken. Er verspricht Hamlet, ihm ein neuer liebevoller Vater zu sein, und bittet ihn darum, als „erster Hofmann, Vetter [und] Sohn“ (S. 19) am dänischen Königshof zu bleiben. Als seine Mutter die Bitte wiederholt, willigt Hamlet ein, sein Studium erst einmal nicht weiter fortzusetzen und nicht nach Wittenberg zurückzukehren.

Sobald Hamlet alleine ist, wird aber deutlich, wie verstört, enttäuscht und traurig er über die erneute Hochzeit seiner Mutter ist. Er verfällt in eine geradezu melancholische Art und denkt ernsthaft über den Sinn seines weiteren Lebens nach. Das ganze Treiben der Welt erscheint ihm als „ekel, schal und flach und unersprießlich“ (S. 19).

Die Vermählung von Claudius und seiner Mutter bricht ihm das Herz und er fühlt sich nicht dazu in der Lage, seine Gefühle offen zu äußern (S. 20). Schon im ersten Akt wird also überaus deutlich, dass es sich bei Hamlet um einen nachdenklichen, sensiblen und gefühlvollen Charakter handelt, der sich zu Recht als das Gegenbild des starken Herkules bezeichnet (S. 20).

Der Racheplan und  der gespielte Wahnsinn

Als Hamlets Studienfreund Horatio und zwei Schlosswächter ihm kurz nach der königlichen Vermählungsfeier davon berichten, einen Geist gesehen zu haben, der dem verstorbenen König gleicht, beschließt Hamlet sofort, diesen nachts aufzusuchen. Hamlet ist anscheinend, anders als sein Freund Horatio, von der Präsenz des Übersinnlichen überzeugt: „Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio“ (S. 41).  

Tatsächlich erscheint der Geist erneut. Er zeigt ein besonderes Interesse an Hamlet und winkt ihn umgehend von seinen Gefährten fort. Diese fordern ihn zwar dazu auf, sich nicht alleine mit der Erscheinung zu entfernen, aber Hamlet ist wagemutig genug, um ihre Ratschläge zu missachten. Sein Leben achte er ohnehin „keine Nadel wert“ (S. 32).

Der Geist stellt sich ihm dann tatsächlich als die Verkörperung seines verstorbenen Vaters vor und offenbart ihm, nicht an den Folgen eines Schlangenbisses, sondern durch die Hand seines Bruders gestorben zu sein. Er fordert Hamlet dazu auf, seinen Tod an Claudius zu rächen (vgl. S.36). Hamlet verspricht, seinen Willen zu erfüllen. Er nimmt sich vor, seine Rachepläne durch ein „wunderliches Wesen“ (S. 41) vor der Hofgesellschaft geheim zu halten.

Hamlet setzt seinen Plan, einen Wahnsinnigen zu spielen, sogleich erfolgreich in die Tat um. Schon bald kann die Schlossgesellschaft sein wunderliches Auftreten nicht mehr mit seiner alten und offensichtlich deutlich anderen Wesensart zusammenbringen. Er achtet nicht länger auf seine Kleiderzusammenstellung, sondern zieht sich wie ein Verwahrloster an (vgl. S. 45). Er antwortet auf Fragen nicht länger klar verständlich, sondern auf eine doppeldeutige und symbolträchtige Art, die aber oftmals eine hohe Intelligenz und gedankliche Schärfe offenbart: „POLONIUS: Wollt ihr nicht aus der Luft gehn, Prinz? HAMLET: In mein Grab?“ (S. 55).

Außerdem lässt Hamlet niemanden näher an sich heran, sondern stößt alle fr...

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