Dahlem

Der ruhige Snob

Christian von Dahlem ist im Gegensatz zu der realhistorischen deutschen Pilotin Marga von Etzdorf eine vom Autor Uwe Timm erfundene Figur. Er ist 1897 geboren (S. 243) und ist damit 10 Jahre älter als Marga. Sein Vater, der im Krieg gefallen ist, war Arzt (S. 84). Er ist groß, schlank, hat mittelblondes gescheiteltes Haar und blaugraue Augen. Er hält sich aufrecht, aber nicht steif und macht sanfte Bewegungen (S. 22). Seine Stimme ist ruhig und löst in Marga eine körperliche Wärme aus (S. 26). Dahlem ist „ein feiner Kerl, ein Snob, wenn man so will“ (S. 86). Er mag gutes Essen, französischen Champagner, englische Anzüge, geschneiderte Seidenhemden und sammelt Porzellan aus der Ming-Periode. Er spricht mehrere Fremdsprachen, auch Japanisch.

Nach einem Notabitur wird Dahlem im Ersten Weltkrieg zur Infanterie eingezogen und kommt an die Westfront (S. 115-116). Dahlem muss als Soldat im 1. Weltkrieg das schwierige Leben im Schützengraben der Champagne ertragen. Aus dem Schützengraben sieht er die Flugzeuge, die hoch oben am Himmel kämpfen. Dies löst in ihm den Wunsch aus, auch Kampfflieger zu werden (S. 24-25), um dem Tod am Boden zu entkommen.

Zu dieser Zeit aber melden sich sehr viele Soldaten als Kampfflieger, um den Schützengräben zu entfliehen und hauptsächlich Soldaten der Kavallerie werden dazu ausgebildet. Dahlem schafft es trotzdem, angenommen zu werden, da er mit einem Kopfstand auf einem Stuhl sein außergewöhnlich gutes Gleichgewicht demonstriert (S. 25-26).

Der glückliche Kampfpilot

Nachdem er als Leutnant und Jagdflieger ausgebildet worden ist, wird er bei einem Luftkampf an der Westfront abgeschossen. Das Projektil eines englischen Flugzeugs durchbohrt einen Stutzen des Dreideckerflügels, eine Buchausgabe der Odyssee in der Brusttasche seiner Lederjacke, das Eiserne Kreuz und bleibt schließlich im Zigarettenetui stecken, kurz vor seinem Herzen (S. 82). Eine zweite Kugel streift ihn am Kopf, woraufhin er bewusstlos wird. Kurz bevor er abstürzt, erwacht er wieder und kann die trudelnde Maschine auffangen und landen. Zu diesem Zeitpunkt ist er 21 Jahre alt (S. 82).

Dahlem ist ein sehr guter Flieger, der auch in Notsituationen einen klaren Kopf behält (S. 119), aber anders als Marga „kein Flieger aus Passion“ (S. 213). Im Kampf ist er ein Stroller. Diese sind Flieger, die am Himmel herumkreuzen und auf einen Gegner warten, mit dem sie einen Kampf beginnen können (S. 120).

Für Dahlem ist das Fliegen „eine Form der Bewegung, schneller als die Eisenbahn oder das Automobil, zweckgerichtet, verbunden mit einem bestimmten Ziel, das er erreichen musste oder wollte“ (S. 137). Er ist kein Propagandaflieger und hat kein Interesse an Politik oder Nationalismus. Im Gegensatz zu Marga hat er eine sehr sachliche und unpersönliche Einstellung zum Fliegen und macht sich nur wenige Gedanken darüber.

Anders als Marga ist Dahlem als Kind von Schiffen und der Seefahrt fasziniert und nicht von der Fliegerei. Seine Faszination für die Seefahrt zeigt sich auch in den 1930er Jahren noch daran, dass er seine Hotels nach Möglichkeit so auswählt, dass sie am Wasser liegen (S. 117).

Dahlems Adelstitel

Bei dem Matrosenaufstand in Coburg im November 1918 rettet Dahlem den Herzog und die Herzogin vor den aufgebrachten Menschenmassen. Unter Androhung von Waffengewalt schafft er es, dass sie in ihrem Auto bis zum Schloss Callenberg gelangen können. Später holt er auf Wunsch der Herzogin noch den Thron aus dem Stadtschloss ab, damit dieser nicht von den Aufständischen verschandelt wird (S. 84). Der Schauspieler Miller, der mit demonstriert, sieht bei diesem Ereignis Dahlem zum ersten Mal.

Dahlems Rettungsaktion ist zwar nicht begründet, weil er Monar...

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