Motive und Symbole

Zigarettenetui

Der Graue zeigt dem Erzähler beim Besuch des Invalidenfriedhofs ein Zigarettenetui, das ihn mit einem Teil der Lebensgeschichte von Marga verbindet. Es ist glatt, schwer und aus Silber hergestellt. Der Deckel wurde bei einem Luftkampf durch einen Messingsplitter beschädigt, der ihn an einer Stelle leicht durchschlagen hat. Es sieht fast so aus, als sei er „kunstgerecht eingelötet worden“ (S. 10). Auf der Rückseite sind die Initialen „M.v.E.“ und „Ch.v.D.“ sowie in kursiver Schrift das Wort „Isobare“ eingraviert (S. 10).

Der Fremdenführer hat es nach der Wende auf einem Flohmarkt gekauft. Der Mann, der es ihm verkauft, hat es aus der Tasche eines Gehenkten entwendet, den er nach dem Ende des 2. Weltkriegs auf dem Invalidenfriedhof begraben hat.…

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Schatten

Die Begegnung von Marga und Dahlem: Ein Schattenspiel

Nach Margas Landung in Hiroshima akzeptiert sie Christian von Dahlems Einladung, bei ihm zu übernachten, da alle Hotels in der Stadt bereits ausgebucht sind. Zuerst schlägt Dahlem vor, dass er auf dem Flur schläft, aber Marga besteht darauf, dass ein Vorhang aufgehängt wird und er in seinem Bett schlafen kann.

Die gesamte Situation zwischen der Rekordfliegerin Marga und dem Diplomaten Dahlem ist durch ein Schattenspiel gekennzeichnet, da sich die beiden Personen aufgrund des trennenden Vorhangs nur als Schatten sehen können. Deshalb entwickelt sich auch ein Gespräch über Schatten, die Dahlem näher beschreibt. Für ihn sind Schatten zwar ungenau, da sie flächig sind, doch sie zeigen dadurch mehr als das, was das „fest umrissen Körperliche nicht hat“ (S. 48), nämlich die „Ahnung einer spirituellen Welt“ (S. 48). Er merkt an, dass erst in der Dämmerung die Dinge aus sich heraustreten und sie selbst werden. Für ihn ist der Moment „vom Übergang der grellen Deutlichkeit der Dinge ins Dunkel, aus dem sie hervortreten“ (S. 26-27), außergewöhnlich.

Die japanischen Räume unterscheiden sich vor allem dadurch von den europäischen Räumen, dass sie nicht von Licht durchflutet sind, sondern auf Schatten und Stille angelegt sind (S. 48-49). Alles in dem Raum, in dem Marga und Dahlem sich befinden, ist Teil eines Spiels aus Schatten und Licht. So existiert beispielsweise eine Nische am Ende des Raums, in der das Licht einen dämmernden Winkel erzeugt und so den Raum auflöst. In dieser Nische steht eine weiße Orchidee, die dem Schatten Tiefe und dem Raum Stille verleiht (S. 49). Dahlem zitiert den Dichter Tanizaki Junichiro, der sagt, dass das Dunkel erst durch den Schatten sichtbar wird und „von einer ewig unveränderlichen Stille beherrscht wird“ (S. 49).

Auch in anderen Bereichen des Zimmers in Hiroshima wird ein Wechselspiel zwischen Licht und Schatten sichtbar. Oft findet man in japanischen Häusern Aussparungen in der Wand, in denen man nichts als einen Schatten und eine Vase erkennen kann. Für Marga scheinen sich die Schatten dort sanft zu bewegen (S. 158).

In Hiroshima lernt Marga zum ersten Mal die Bedeutung des Schattens in der japanischen Kultur und Architektur kennen (S. 223). Das Licht und der Ü…

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Engel

Auf dem Invalidenfriedhof stehen mehrere Engelsstatuen, die deutliche Spuren des 2. Weltkriegs zeigen und die immer wieder ins Sichtfeld des Lesers gerückt werden. Besonders eine Engelsstatue, die einen Flügel durch einen Granatsplitter verloren hat, wird zu einem Symbol für die blinde Zerstörungswut der Menschen (S. 34). Ihr Blick „zeigt nicht nur Trauer, sondern Bestürzung, tiefe Verzweiflung“ (S. 34). Sie scheint nicht nur den General zu betrauern, der in der Erde liegt, sondern auch sich selbst.

Ein anderer Engel schaut voller Grimm. Ihm wurde der Arm von einer Granate weggerissen, die nur wenig von ihm entfernt einschlug. Es ist die Darstellung des Erzengels Michael, der den Satan in Form eines Drachens aus dem Himmel befördert. Der Krieg hat ihm aber den Arm abgerissen, mit dem er…

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Eiche und Elster

Auf dem Friedhof bleiben der Erzähler und der Graue neben einer Eiche stehen, an der noch das vertrocknete Laub des Sommers hängt (S. 30). Nebenan setzt sich eine Elster auf die gusseisernen Gitter einer Grabumfassung. Die Eiche mit dem abgestorbenen Laub kann als ein Symbol für die Nazivergangenheit Deutschlands charakterisiert werden. Im Dritten Reich wurde die Eiche intensiv als Baum der Deutschen stilisiert und die Orden und Auszeichnungen, wie …

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