Erzähltechnik

Der homodiegetische und der heterodiegetische Erzähler

Der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette hat untersucht, ob der Erzähler als Figur im Text handelnd in Erscheinung tritt. Im ersten Fall, bei dem der Erzähler selbst als handelnde Figur auftritt, spricht er von einem homodiegetischen Erzähler; im zweiten Fall, in de…

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Der neutrale Erzähler

Zu Beginn der Handlung leitet der Erzähler zu den verschiedenen Analepsen (Rückblicken) der Binnenhandlung über, indem er das Zigarettenetui und die Dokumente beschreibt, die ihm der Graue zeigt (S. 10-11). Er beschreibt, wie sich das Zigarettenetui anfühlt: „Glatt und doch schwer liegt das Silber in der Hand“ (S. 10).

Ab dieser Stelle beginnt …

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Der Graue als Zwischenfigur

Zu Beginn der Geschichte wird bereits deutlich, dass die vom Grauen berichteten Informationen eine Art Brücke zwischen der Rahmen- und der Binnenhandlung bilden und er die Grenzen dazwischen fließend gestaltet.

Der Fremdenführer berichtet von einem Radiointerview Margas, das sie kurz vor ihrem Flug nach Japan im August 1931 gibt. An dieser Stelle lassen sich der fließende Übergang zwischen der Rahmen- und der Binnenhandlung und der damit verbundene Wechsel der Erzählstimme sehr deutlich aufzeigen. Es beginnt…

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Die Erzählungen in der Erzählung

Die Berichte der Toten

Alle Erzählstimmen der Toten können als intradiegetisch[1] bezeichnet werden, da sie fast ausschließlich aus ihrem Leben oder von direkt damit zusammenhängenden Erlebnissen berichten. Die Stimmen der Toten erfüllen hauptsächlich eine dokumentarische Funktion, indem sie den beiden Besuchern von ihren Leben erzählen.

Der Leser kann so zum Beispiel miterleben, wie Marga in Berlin zu ihrem Flug nach Japan startet. Durch Formulierungen, wie „dort, das Blitzen, das war der Engel auf der Siegessäule“ (S. 11), nimmt der Leser sehr direkt an …

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Das schwierige Lesen

Die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählstimmen sind oftmals sehr abrupt und nicht immer markiert. Miller nimmt beispielsweise die Aussage von Hans Eberhard Maikowski auf: „Sie flog für Deutschland, sagt die Stimme eines jungen Mannes“ (S. 28), dass Marga aus patriotischen Gründen für Deutschland geflogen sei und widerlegt diese Aussage: „Sie flog für Deutschland. …

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Der Erzähler als Medium

Die Erzählung ist durch die Wahrnehmung des Erzählers geprägt, auch wenn dies bei der Lektüre aufgrund der vielen Erzählstimmen nicht sofort auffällt. Er hört bei seinem Gang über den Friedhof viele verschiedene Stimmen der dort Begrabenen, die miteinander kommunizieren, rufen, erzählen und es ihm manchmal so schwer wie dem Leser machen, zu unterscheiden, wer gerade spricht. Dieses Erleben über das Hören bringt er als Erzähler zu Papier und wählt dafür eine Form, die an den sogenannten Bewusstseinsstrom („stream of consciousness“) erinnert, an dem in diesem Fall aber mehrere Erzählstimmen beteiligt sind. Der Erzähler bildet das Bindeglied zwischen dem Erzählten und dessen Fixierung in schriftlicher Form.

Als Bewusstseinsstrom wird eine Erzä…

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