Historischer Hintergrund

Juden im Dritten Reich

Eine der Basisdoktrinen des Nationalsozialismus, deren Ursprünge sich bis ins Jahr 1860 zurückverfolgen lassen, war der Antisemitismus, i. e. eine Feindlichkeit gegenüber der Bevölkerung mit jüdischem Glauben, denen verschiedene Stereotype zugeschrieben wurden, die jedoch in sich selbst nicht schlüssig waren. So wurde zum Beispiel behauptet, dass der Jude für den Kapitalismus verantwortlich sei und Geld scheffle, doch gleichzeitig hieß es, dass die Juden arm seien und im Dreck hausen würden. Außerdem wurden die Juden für den Sozialismus – einen weiteren Hauptfeind der Nationalsozialisten – verantwortlich gemacht. Die „Judenfrage“ wurde zum Kampfbegriff der Nazis und legitimierte die soziale Abwertung der jüdischen Bevölkerung, ihre systematische Ausgrenzung und schließlich ihre Vernichtung.

Bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann die Situation für die Juden im Deutschen Reich immer schwieriger zu werden. In mehreren Etappen wurden ihnen schrittweise die Bürgerrechte entzogen. Die paramilitärische Sturmabteilung (SA) terrorisierte die jüdische Bevölkerung auf den Straßen Deutschlands, rief zum Boykott jüdischer Geschäfte auf und half dabei, Juden aus wichtigen Positionen im öffentlichen Dienst zu verdrängen. Mit den Nürnberger Rassengesetzen vom 15. September 1935 wurden den Juden im Deutschen Reich die Bürgerrechte aberkannt. Aufgrund der Namensänderungsverordnung vom 17. August 1938 mussten diejenigen Juden, die keinen typisch jüdischen Vornamen hatten, einen zweiten offensichtlich jüdischen Vornamen in ihre Papiere eintragen lassen.

Die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markieren den Beginn der systematischen Vertreibung der jüdischen Bevölkerungsgruppe. Ab dem 1. September 1941 mussten die Juden einen Davidstern aus gelbem Stoff, das Symbol des Judentums, gut kenntlich auf ihrer Kleidung anbringen. Ab dem 23. Oktober 1941 galt ein allgemeines Ausreiseverbot für Juden.

In Oskar Meyers Schilderungen im Roman Unter der Drachenwand spiegeln sich viele dieser historischen Begebenheiten wider. Gleich zu Beginn seines ersten Briefes (Kapitel 9) nimmt er Bezug auf die Namensänderungsverordnung: „Seit dem 1. Jänner 1939 ist uns ein weiterer Vorname zugeflogen. Wally heißt nun mit zweitem Namen Sara und ich mit zweitem Namen Israel, und so auch Georgili und alle Verwandten. Es fühlt sich an als habe man mir eine Glocke umgehängt“ (S. 111). Der Zweck dieser Verordnung ist vor allem, die Juden sofort anhand ihrer Namen kenntlich zu machen. Die soziale Verachtung der Juden wird besonders deutlich darin, dass Oskar von einem SA-Mann auf der Straße angespuckt wird (S. 116).

Die Anordnung, dass die Juden einen gelben Davidstern tragen müssen, trat nach dem Kriegseintritt der USA in Kraft, zuvor hatte man aus diplomatischen Gründen davon abgesehen: „Jetzt, da auch Amerika mit Deutschland im Krieg steht, muss jeder, der falschen Blutes ist, sichtbar einen gelben Stern tragen“ (S. 123). Auch erwähnt Oskar das Ausreiseverbot für die Juden vom 23. Oktober 1941 (S. 123). Dennoch versucht die Familie die Flucht nach Budapest, die ihnen schließlich auch gelingt.

Ungarn im Jahre 1944

Nach dem Ersten Weltkrieg und nach der Auflösung der kurzlebigen ungarischen Räterepublik übernahm ...

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