Kritik

In der DDR ist das Stück ein Publikumshit, aber es ist nicht besonders beliebt bei den Kritikern. Das, was das Publikum so begeistert, nämlich der starke Fokus auf den außergewöhnlichen Antihelden Edgar Wibeau, ist den Kritikern geradezu ein Dorn im Auge. Die stark subjektive Darstellung der Lebenswelt aus Sicht einer einzigen Figur passt nicht zum Prinzip des sozialistischen Realismus, das von den Künstlern jahrelang gefordert wurde (siehe Interpretation: Sozialistischer Realismus). Von manchen Kritikern wird auch beanstandet, dass Edgars eher negative Einstellung gegenüber Gesellschaft nicht durch eine positive Figur ausgeglichen wird, die zeigte, wie schön das Leben in der DDR ist.

In der BRD kommt die Version der „neuen Leiden“ als Theaterstück auch nicht sonderlich gut bei den Kritikern an. Das Stück verliert im Westen vieles von seiner Wirkung, denn man versucht, Edgars Welt in den Westen zu versetzen. Dadurch wirken viele Dinge, die Edgar äußert, nicht mehr provozierend – so wenn er z. B. äußert, dass alle Menschen gern die ganze Welt bereisen würden, oder eine Lobeshymne auf die Blue Jeans singt. Was in der DDR angrenzend wie ein Tabubruch wirkt, ist in der BRD überhaupt nichts Besonderes.

Die Bewertung eines Werkes aus der DDR aus der BDR-Perspektive ist damals schwierig, denn es fehlt eine gemeinsame Wertebasis zwischen den beiden ganz verschiedenen Welten. Im Westen erwartet man, dass sich die Künstler gegen das stark kritisierte sozialistische System auflehnen würden. Die Bewertung der Romanausgabe fällt in der BRD unterschiedlich aus. Viele Kritiker erwarten mehr poli...

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