Ulrich Plenzdorf

Der Autor des Buches „Die neuen Leiden des jungen W.“, Ulrich Plenzdorf, war vor allem Regisseur. Durch den großen Erfolg des Montageromans, der die Geschichte eines „modernen Werthers“ erzählt, ist Plenzdorf aber vor allem durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannt geworden. Er war aber auch als Übersetzer tätig und hat Drehbücher geschrieben.

Am 26. 10. 1934 wird Ulrich Plenzdorf in Berlin geboren. Seine Eltern sind politisch linksgesinnte Arbeiter, die in Berlin-Kreuzberg wohnen. Sie sind politisch aktiv: Plenzdorfs Mutter ist Mitglied der KPD, der Vater arbeitet als Fotograf für die „Arbeiter-Illustrierte Zeitung“. Wegen ihrer Einstellung leiden sie besonders unter dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland und es werden mehrere Haftstrafen gegen sie verhängt.

1950 zieht Plenzdorf von West- nach Ost-Berlin um. Der Autor Plenzdorf verbringt seine gymnasiale Zeit auf einem Internat in Lichtenberg und besteht 1954 das Abitur. Er beginnt anschließend in Leipzig ein Hochschulstudium im Fach Marxismus-Leninismus. Das Studium, das er unerträglich findet, bricht er schon nach drei Semestern ab. Ab 1955 verdient er sein Geld als Bühnenarbeiter bei dem Filmunternehmen DEFA. Er heiratet 1955 Helga Lieske. Aus der anhaltenden Ehe gehen drei Kinder hervor.

Bereits zu dieser Zeit schreibt Plenzdorf für das Hochschulkabarett. Er ist eindeutiger Anhänger des sozialistischen Systems der DDR und wird 1958 sogar Mitglied der SED. Er dient zwei Jahre bei der Nationalen Volksarmee (1958-1959), und zwar zu einer Zeit, als dieser Dienst noch freiwillig ist. Dann beginnt er 1959 ein neues Studium im Fach Dramaturgie auf der Filmhochschule in Babelsberg, das er vier Jahre lang, bis 1963, durchzieht. Er fängt danach an, Drehbücher für die DEFA zu schreiben. Sein erster Film mit Manfred Krug in der Hauptrolle heißt „Mir nach, Canaillen“ und kommt im Jahre 1964 in die Kinos.

Plenzdorf ist vielseitig und schreibt nicht nur Drehbücher. Durch das Theaterstück und den Roman „Die neuen Leiden des jungen W.“ erlangt Plenzdorf auch große Bekanntheit in der BRD: Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland ist das Stück das am meisten aufgeführte des Jahres 1972. Im gleichen Jahr bekommt Plenzdorf den Heinrich-Heine-Preis der ADK Berlin verliehen. In der Hochschule der Künste wird er ab 1992 Mitglied.

1973 wird Plenzdorfs neuer Film „Die Legende von Paul und Paula“ ein großer Erfolg in der DDR. 1975 wird der Film in der Bundesrepublik ausgestrahlt. In der DDR gehört der Drehbuchautor zur Prominenz. Er genießt Reisefreiheit, wird allerdings gleichzeitig von der Stasi überwacht. 1976 protestiert er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und tritt aus der SED aus. 1978 erhält Plenzdorf den Ingeborg-Bachmann-Preis für das Hörspiel „Kein runter, kein fern“. Dieser Text ist dem DDR-Regime allerdings viel zu systemkritisch und er wird in Deutschland nur im westlichen Teil veröffentlicht.

Auch nach der Wende gelingt es Plenzdorf, sich weiterhin als Autor zu behaupten. Er schreibt z. B. in den frühen 1990er Jahren eine ganze Staffel für die beliebte Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“ und das Drehbuch für die bekannte Literaturverfilmung „Der Trinker“ von 1995 mit Harald Juhnke in der Hauptrolle. Für eine Buchübersetzung, und zwar für die deutsche Version des Romans „The Lesser Blessed“ von Richard van Camp, bekommt Plenzdorf den Jugendliteraturpreis verliehen.

Politisch bleibt Plenzdorf immer links eingestellt. Er betrachtet die Entwicklungen im wiedervereinten Deutschland sehr kritisch. Er kritisiert, dass die deutsche Gesellschaft in den späten 1990er Jahren noch längst nicht wiedervereint ist, auch wenn der Staat es politisch ist. Ab 1999 lebt Plenzdorf in Berlin. Noch im Jahre 2004, im Alter von 70 Jahren, wird er Gastprofessor am Leipziger Literaturinstitut. 2007 verstirbt Plenzdorf an einer schweren Krankheit. 

Unsere produkte für Ulrich Plenzdorf
  • Die neuen Leiden des jungen W.

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