Ostalgie

Verdrängung

Thomas Brussigs Roman ist in den 1990er Jahren geschrieben worden, als die sogenannte „Ostalgie“ gerade Trend war. Der Begriff „Ostalgie“ ist ein Kofferwort, dass aus dem Begriff „Nostalgie“ und dem Wort „Osten“ zusammengesetzt ist.

Nostalgie bezeichnet die Sehnsucht nach den „guten alten Zeiten“, die manche Menschen dann erfasst, wenn die Zustände in der Gegenwart schwierig erscheinen. Da die Vergangenheit bereits zurückliegt, hat der Mensch das Erlebte schon teilweise verarbeitet und die damaligen Schwierigkeiten teilweise vergessen oder im Gedächtnis „aufgeweicht“. Dieser Prozess wird auch als Verklärung bezeichnet. Auch die Menschen, die in der DDR, also im „Osten“ gelebt haben, empfinden manchmal eine solche Nostalgie nach den alten Zeiten und diese wird als „Ostalgie“ bezeichnet. Für sie sind die guten alten Zeiten mit dem Staat DDR verbunden.

Das Leben in der DDR kann durch die Verklärung einfacher erscheinen als der heutige Alltag. Z. B. war in der DDR die Arbeitslosigkeit ein verschwindend geringes Problem, von dem heute vergleichsweise viele Menschen betroffen sind. Die Nachteile, die das sozialistische System mit sich brachte (Überwachung, Diktatur, schlechte Wirtschaft, Unterdrückung des Individuums…) werden verdrängt und die Menschen fokussieren sich auf die schönen Erinnerungen an ihre alte Heimat DDR.

Beispiele im Werk

In „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ findet man zahlreiche „ostalgische“ Abschnitte. Die Realität wird durch einige nette Erinnerungen an Dinge weichgezeichnet, die angenehm waren und die es jetzt (ohne DDR) nicht mehr gibt. „Die Musik war damals gut, viel besser als heute“ (S. 57), verkündet der Erzähler zum Beispiel an einer Stelle und beschreibt, wie Micha und seine Freunde eifrig Platten sammeln, die schwer zu bekommen waren und sie auf Kassetten überspielten. „Heute benutzt alle Welt CDs. CDs sind besser, aber Kassetten haben viel mehr Charme“ (ebd.).

Manche Leser erinnern sich vielleicht auch bei der folgenden Episode an ihre jungen Tage in der DDR zurück: Die Existentialistin und Mario machen in dem Kapitel „Je t‘aime“ ein Drogenexperiment. Die Existentialistin lässt sich von einem Asthmatiker ein Kraut gegen Asthma geben, das sie und Mario mit Cola mixen und trinken (vgl. S. 101). Die beiden haben daraufhin einen starken Trip mit höllischen Nachwirkungen (vgl. S. 101 f.). Da es in der DDR bein...

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