DDR-Kritik

Staatsapparat der Trottel

Die Figuren mit Autorität wirken in „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ wie Karikaturen. Das bewirkt eine indirekte Kritik am DDR-System. Denn diejenigen Menschen, welche hier Macht ausüben, stehen sozusagen für den Staat und werden als besonders große Trottel präsentiert. Sie stehen für das Schulsystem, die Polizei, die Reisebeschränkung und das Überwachungssystem der Stasi.

  • Der Grenzer ist ein überzeugter Sozialist, der keine Ahnung davon hat, wie es im Rest der Welt aussieht.
  • Der Polizist ist sehr unreif und seine persönliche Mission ist es, Micha das Leben schwer zu machen.
  •  Erdmute Löffeling, die Schuldirektorin, welche schon durch ihren Namen wie eine Witzfigur wirkt, ist eine selbstzufriedene und naive Leiterin, welche Schüler wegen harmloser Scherze aus der Schule verbannt und nicht durchschaut, wenn ihr die Schüler etwas vorgaukeln.
  • Der „Parteimensch“, ein Mitarbeiter der Stasi, welcher immer wieder einmal auftaucht, durchschaut es nicht einmal, wenn Mario ihn mit einem sarkastischen Kommentar veräppelt (vgl. S. 78). Es wird so dargestellt, als sei die DDR von lauter albernen Hampelmännern geleitet und organisiert worden.

Ideologie und Anpassung

Anhand der Figuren Micha und Miriam wird deutlich, welche Verlogenheit allein dafür nötig war, um in der DDR als junger Mensch nicht in Probleme zu geraten. Die Ideologie des sozialistischen Systems haben die beiden absolut nicht verinnerlicht, sondern sie spielen nur nach außen hin vor, angepasst zu sein und für den Sozialismus zu kämpfen.

Miriam z. B. wechselt ganz schnell hinter der Bühne ihr Oberteil und zieht eine FDJ-Bluse an, und zwar kurz bevor sie einen Diskussionsbeitrag leisten muss. Sie zieht die FDJ-Bluse aus einer Tüte. Sie würde wahrscheinlich nie in ihrer Freizeit diese Bluse tragen, doch in der Schule gibt sie sich ganz angepasst. In Wirklichkeit knutscht sie gern mit Westlern herum.

Der kluge Micha weiß ganz genau, wie er seine Wörter wählen muss, um Ärger zu vermeiden. Als Mario, der ungefiltert seine Emotionen herauslässt, vor der Schuldirektorin und einem Parteimensch seine ehrliche Meinung äußert - er bekennt sich zu „Sartre und Gandhi, Freiheit und Menschenrechte[n]“ (S. 81) – beschwichtigt Micha, indem er sagt, „Mario meinte natürlich die sogenannte Freiheit und die sogenannten Menschenrechte“ (ebd.).

Psychische und gesundheitliche Konsequenzen

Die Auswirkungen der Diktatur auf das Individuum werden an einigen Figuren sehr drastisch dargestellt. Mutter Doris führt, wie viele Menschen in der DDR, für lange Zeit ein Doppelleben: Nach außen gibt sie sich angepasst und mimt die brave Hausmutter. Doch in aller Heimlichkeit plant sie ihre Flucht aus dem verhassten Staat (vgl. S. 98 f.).

Außerdem ist in de...

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