Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Die 1980er Jahre in der DDR

Politisches System und politischer Alltag

Die 1980er Jahre sind das letzte Jahrzehnt des Staates DDR. In diesem Jahrzehnt regiert Erich Honecker als Generalsekretär der SED, der regierenden Partei im Lande, und als Staatsratsvorsitzender die sozialistische Diktatur DDR. Eine Diktatur ist die DDR vor allem deshalb, weil den Bürgern bei der politischen Wahl nicht wirklich die Möglichkeit zur demokratischen Abstimmung gegeben wird.

Der Sieg der SED ist schon vor der Wahl vorprogrammiert. Die Bürger können der Partei nur zustimmen – oder sie ablehnen, doch dann drohten ihnen schwerwiegende Konsequenzen. Die Wahlen sind im Allgemeinen nicht geheim. Die Wahlkabinen zu benutzen, bedeutet, sich als Klassenfeind verdächtig zu machen.

Die SED kontrolliert in der DDR soweit wie möglich alle Lebensbereiche der Bürger. Auch die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit und die Reisefreiheit, weitere wichtige Elemente einer Demokratie, sind den Bürgern in der DDR nicht gestattet. DDR- Bürger dürfen nur in besonderen Ausnahmefällen in den Westen reisen, ansonsten ist Urlaub nur in den sozialistischen Bruderstaaten erlaubt.

Im Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ wird an vielen Stellen dargestellt, wie das Leben in der DDR typischerweise im Alltag verlief. Die erzählten Anekdoten gründen auf realen Zuständen in dem ehemaligen ostdeutschen Staat. In der DDR gab es zum Beispiel eine Musikquote: In den Diskos mussten 60 % der gespielten Songs aus den sozialistischen Bruderstaaten oder aus der DDR selbst stammen. Die Szene, in der Micha Miriam in der Disko zum Tanzen auffordert, spiegelt die geringe Begeisterung der ostdeutschen Jugend für diese Anordnung wider. In diesem Moment wird ein ganz unbeliebtes Lied gespielt: „ein Ostsong der übelsten Sorte. Gemeinster, allergemeinster Tschechenakzent“ (S. 24).

Auch di Tatsache, dass Micha und seine Clique gern „verbotene Musik“ hören, ist nicht weit hergeholt: In der DDR war fast alles an Kultur verboten, das als typisch westlich angesehen wurde – so z. B. die Musik der Rolling Stones.

In der DDR war die Wehrpflicht für Männer gesetzlich vorgeschrieben. Mindestens anderthalb Jahre mussten sich die jungen Männer nach der Schule verpflichten. Ausnahmen wurden nur selten gemacht. Aus religiösen Gründen konnte man den Dienst an der Waffe ablehnen und musste dann stattdessen als unbewaffneter Bausoldat dienen. Aber ebenso wie bei einer Ablehnung der FDJ-Mitgliedschaft konnte man später aufgrund solcher Wünsche später Nachteile bekommen.

Die Nationale Volksarmee (NVA) wurde fast ausschließlich von Mitgliedern der SED angeführt. Die Offiziere, welche Bernd in „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ begegnen und scharf karikiert werden, sind alle Mitglieder der Partei.

Schulsystem in der DDR

Wer sich in der DDR nicht anpasst und sich kritisch über die sozialistische Ideologie äußert, kann schnell Probleme bekommen. Die Menschen werden von dem Staatssicherheitsdienst, der Stasi, überwacht, um mögliches staatsfeindliches Verhalten aufzuspüren und im Keim zu ersticken. Schülern droht zum Beispiel dann der Schulverweis oder der Ausschluss vom Studium, wenn sie sich gegen das System auflehnen. Schon ganz harmlose Scherze können einem Schüler zum Verhängnis werden, wie Mario in „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ feststellen muss: Weil er seine Meinung frei äußert, sich zur Philosophie Sartres und zur Ideologie Gandhis bekennt, wird er von der Schule verwiesen (vgl. S. 81).

Schon in der Schule werden die Menschen in der DDR politisch indoktriniert. Das Hauptziel der Bildung ist darauf ausgerichtet, Sozialisten auszubilden. Das Engagement im Sinne der Diktatur des Proletariats is...

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