Sprache

DDR-Sprache

Brussig entwirft eine Sprache, die den DDR-Sprachalltag sehr gut widerspiegelt. Ziemlich häufig kommen in „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ Wörter vor, die in der DDR geläufig waren. Sie werden nicht weiter erläutert, wodurch diejenigen Leser, die die DDR noch miterlebt haben, hier im Vorteil sind. Ein Beispiel für diese typischen Ostbegriffe ist die Erwähnung der „legendären Q3a-Bauten“ (vgl. S. 9), Plattenbauten, welche auf der DDR-Seite der Sonnenallee zu sehen waren. Andere Beispiele sind der russisch-inspirierte Kosename für die Mutter, „Mamutschka“ (S. 63), die Suppe „Soljanka“ (S. 67), eine russische Spezialität, oder der Begriff „Jugendfestival“ (S. 66), eine riesige Veranstaltungsreihe zur Feier der sozialistischen Jugend und des Staates DDR.

Verkürzungen

Der Volkspolizist, welcher in der Sonnenallee Micha und seinen Kumpels auf die Nerven geht, wird nur mit der in der DDR geläufigen Abkürzung „ABV“ (vgl. S. 15) benannt, und einer von Miriams Freunden fährt eine „AWO, also das Rennomier-Motorrad“ (S. 18). Ins Absurde gleitet das Ganze dann ab, wenn die Fülle der Abkürzungen in der DDR-Sprache durch Aufzählungen ohne Erklärung verdeutlicht wird, wie: „FDJ, DSF, DTSB und GST“[1] (S. 27), welche allesamt Massenorganisationen der DDR waren.

Auch Verkürzungen, die auf  den Buchstaben „i“ enden, waren zu dieser Zeit geläufig und sind es teilweise heute noch: Spricht man vom Ministerium für Staatssicherheit, dem Geheimdienst der DDR, benutzt man die Kurzform „Stasi“ (S. 35). Jemand wie Micha, der „in der Zone“ (S. 61), also in der sowjetischen Besatzungszone, lebte, wurde von den Westberliner hämisch als „Zoni“ bezeichnet (S. 9). Und der Trabant, das meist verkaufte Auto in der DDR, hieß und heißt im Volksmund „Trabi“ (S. 153).

Jugendsprache

Die Sprache des Romans ist sehr leicht verständlich. Der Erzähler benutzt bei der Darstellung der Ereignisse vorwiegend schlichte Satzkonstruktionen. Komplizierte, lange Schachtelsätze werden eher nicht verwendet. Durch die Verwendung vieler Dialoge und häufiger Wiedergabe wörtlicher Reden wirkt der Sprachstil locker und kurzweilig.

Die Jugendlichen in Michas Clique und andere junge Leute im Roman praktizieren ihre eigene Ausdrucksweise. Diese Jugendsprache ist manchmal überzogen dargestellt und wirkt dadurch besonders witzig. Unterhaltungswert hat z. B., wie der Hippie aus Strausberg spricht.

Er hat die Angewohnheit, ständig „Mann“ zu sagen, und zieht viele Wörter zusammen („wirste, darfste“): : „Nee, Mann, so darfste das nich sehn, Mann, die hatte ich, klar, von Franki, aber Mann, weißt du, ich hab Zappa dafür gekriegt, und Zeppelin. Ist j...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen