Entstehung und Quellen

Die Sagen

Die Novelle "Der Schimmelreiter" gehört in die späte Schaffenszeit Theodor Storms. Erst zu Beginn des Jahres 1885, als der Dichter bereits 67 Jahre alt war, fasste er den Entschluss, die Novelle über den Schimmelreiter zu schreiben. Im Februar 1885 schrieb Storm an seinen Freund Erich Schmidt: "Jetzt aber rührt sich ein alter mächtiger Deichsagenstoff in mir, und da werde ich die Augen offen halten; aber es gilt vorher noch viele Studien!"

Eine große Quelle der Inspiration waren für Theodor Storm die Sagen aus Storms Heimat, in denen häufig Pferde und Deiche eine wichtige Rolle spielten. Dies wird sich auch zu Beginn der Novelle deutlich, als der Erzähler mitteilt: "Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kundgeworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den Leipziger oder von Pappes Hamburger Lesefrüchten" (S. 5). Dies ist ein Abschnitt, der häufig autobiografisch interpretiert wurde, denn im Hamburger Pappe Verlag erschien im Jahr 1838 eine Ausgabe, in der die Geschichte "Der gespenstige Reiter" enthalten war. Der Handlungsort dieser Geschichte, die wesentliche Parallelen zu der Novelle um den Schimmelreiter aufweist, liegt jedoch nicht an der Nordsee, sondern an dem Fluss "Weichsel". Storm hatte beim Schreiben des Schimmelreiters dagegen das Marschdorf Sterdebüll an der Nordsee vor Augen, das 7 km nördlich seiner Heimatstadt Husum liegt. "Der gespenstige Reiter" spielte dagegen in der Gegend zwischen Danzig und Marienburg. Theodor Storm verlegte die Handlung an die Nordseeküste, da diese ihm besser vertraut war.

Theodor Storm ist bei der Beschreibung der Handlungsorte in der Novelle sehr genau, sodass der Vergleich mit der ihm gut bekannten Landschaft nördlich von Husum naheliegt. So entspricht zum Beispiel der von Storm beschriebene Koog, der nach dem Bau des Hauke-Haien-Deiches entstanden war, dem "Hattstedter Neuen Koog", dessen Größe von ca. 5 km² den in der Novelle genannten 1000 Demath...

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