Die Rolle der Frau

Fontanes Hauptfiguren sind – mit Ausnahme von Duslav von Stechlin – meist Frauen. Sie ermöglichen es ihm, sensibel und wirkungsvoll Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen zu äußern, da sie damals noch als schwaches Geschlecht galten und den Männern untergeordnet waren.

Die adligen Mädchen wurden ganz im Sinne ihrer Aufgaben als Ehefrauen und Mütter erzogen. Sie lernten Fremdsprachen und betätigten sich im Wirtschaftswesen, was so viel bedeutete, wie Kochen, Hausarbeit und Handarbeit. Außerdem wurden sie auf ihre Repräsentationspflichten vorbereitet. Sozialer Small Talk, die tadellose Gästebetreuung und –unterhaltung sowie das Parlieren über Banalitäten, wie beispielsweise die Speisefolge, standen für sie auf der Tagesordnung. Lud ein Ehepaar Gäste ein, wurde es besonders gern gesehen, wenn die Hausherrin nach dem Essen beispielsweise mit einem Klavierstück oder mit Gesang aufwarten konnte.

Effis historische Vorlage, Else von Ardenne (siehe: Epoche), sprengte dieses gesellschaftliche Klischee und ordnete sich nicht mehr unter. Sie galt als sehr selbstbewusste und -bestimmte Frau ihrer Zeit. Effi springt auf diesen emanzipatorischen Zug gewissermaßen auf, denn sie gestattete sich Liebesangelegenheiten (ihre Affäre mit Crampas), an die andere Frauen ihrer Zeit und ihres Standes niemals zu denken wagten.

In Deutschland ging die Epoche der Romantik dem Realismus voraus. Sie brachte einige intellektuelle und durchaus einflussreiche Frauen, wie beispielsweise Caroline und Dorothea Schlegel oder Bettina von Arnim, geb. Brentano, hervor. Diese blieben jedoch – zumindest in Deutschland – vorerst die Ausnahmen. Die Universitäten blieben den Frauen verschlossen. In einigen Fällen konnten sie das Abitur machen und sich anschließend zur Musik- oder Sprac...

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