Historischer Hintergrund

Die preußische Gesellschaft

Die Anspielungen auf Preußen, den Hochadel und Bismarck ziehen sich durch den gesamten Roman hindurch. Eine besondere Rolle wird auch dem Militär zuteil. Hiermit spielt Fontane vor allem auf die damalige Militarisierung des Adels an, der von einem System von Orden und Regimentszugehörigkeiten gekennzeichnet war.

Auf dem brandenburgischen Landtagsabschied von 1653 wurde die Erbuntertänigkeit (oder auch: Leibeigenschaft) der Bauern gegenüber dem Adel beschlossen und somit die gutsherrliche Abhängigkeit der Bauern und Landarmen neu besiegelt. Das stabilisierte die Basis der bereits bestehenden Ordnung und bedeutete in der Konsequenz eine Grundsatzentscheidung für die Richtung und den Charakter der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Bis ins 19. Jahrhundert hinein sicherte dieser Herrschaftskompromiss die beherrschende Position des Adels.

Der Großteil der preußischen Bevölkerung lebte auf dem Land und von der Arbeit in der Landwirtschaft. Der grundbesitzende Adel hatte seine ökonomische und gesellschaftliche Basis in seiner ländlichen Herrenstellung. Trotz der großen Flächen des landesherrlichen Domänenbesitzes herrschte der Adel auf dem Lande. Diese Tatsache resultierte vor allem aus dem Eigentum an Besitzrechten, welches sich in den deutschen Ländern auf 70 Prozent der Landbevölkerung erstreckte. In diesem Bereich konnten die Adligen ihre Ansprüche auf Zinsgelder, Naturalabgaben und Dienstleistungen weiterhin geltend machen. Sie waren zur gleichen Zeit Gerichtsherren, Träger der Polizeigewalt und Patronatsherren über Kirche und Schule. Die Steuer- und Zollfreiheit sicherte dem Adel kommerzielle Vorteile, und zwar auch gegenüber der städtischen Kaufmannschaft. Die wenigen Städte waren ebenfalls landwirtschaftlich geprägt. Es existierte ein nur schwach entwickeltes Bürgertum. Weitgehend vom preußischen Militärdienst befreit, oblag ihm sowohl der Handel als auch das Gewerbe.

Der Adel und das Militär: Die Sicherung der preußischen Vormachtstellung

Der bürgerliche Einfluss verstärkte sich jedoch zur Zeit Effi Briests in sämtlichen Gesellschaftsformen immer mehr, was sich nachteilig auf den Adel auswirkte. Der Adel behielt jedoch weiterhin seine Patrimonialrechte, wie beispielsweise die Jagd. Das preußische Militär, das vom Adel dominiert wurde, war nach Aussagen von Zeitzeugen das einzig „Brauchbare“ aller Fürstentümer des Deutschen Bundes zur damaligen Zeit. In diesen Zeitabschnitt ist auch der Roman „Effi Briest“ von Fontane einzuordnen.

Mit dem preußischen Verfassungskonflikt[1] begann der stete Aufstieg des Fürsten Otto von Bismarck. Zu seinen Aufgaben gehörte die Umsetzung der „kleindeu...

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