Charakterisierung Effi Briest

Die kleine Effi

Effi ist zu Beginn der Geschichte 17 Jahre alt und das einzige Kind des Gutsbesitzers von Briest und dessen Frau Luise. Sie wächst unbeschwert in Hohen-Cremmen auf, das unweit von Berlin liegt. Der Ernst des Lebens liegt ihr fern, sie genießt stattdessen die Nachmittage im Garten, oftmals in Gesellschaft ihrer Freundinnen Bertha, Hertha und Hulda aus dem Pfarrhaus.

Als Baron Geert von Instetten die Familie besucht, weiß Effi noch nicht, dass es sich hierbei um ihren zukünftigen Mann handelt. Stattdessen erzählt sie ihren Freundinnen die Geschichte des Mannes, der vor vielen Jahren um die Hand ihrer Mutter angehalten hat, die den Antrag jedoch zugunsten des wohlhabenden Gutsbesitzers van Briest ausschlug (S. 12). Als Geert und Effi aufeinandertreffen, trägt sie ein weißblaues Matrosenkleid mit einem Kragen, dazu braun gelocktes Haar. Für die junge Effi formuliert Theodor Fontane bereits auf den ersten Seiten eine schmeichelnde Charakterisierung: „In allem, was sie tat, paarten sich Übermut und Grazie, während ihre lachend braunen Augen eine große, natürliche Klugheit und viel Lebenslust und Herzensgüte verrieten. Man nannte sie die „Kleine“, was sie sich nur gefallen lassen musste, weil die schöne schlanke Mama noch um eine Handbreit höher war.“ (S. 8).

Alle Gaben, die Effi laut obigem Zitat besitzt, sind jedoch in der gesellschaftlichen Welt Kessins, in die sie nach der Hochzeit mit dem Baron van Instetten eintauchen muss, nichts wert. Den Kessinern ist Effis frische Lebensfreunde fremd, sie können und wollen sie nicht als eine von ihnen akzeptieren. Im Gegenzug empfand auch Effi die neuen Begegnungen als unangenehm: „Der Eindruck, den Effi empfing, war überall der selbe: mittelmäßige Menschen, von meist zweifelhaftiger Liebenswürdigkeit, die, während sie vorgaben, über Bismarck und die Kronprinzessin zu sprechen, eigentlich nur Effis Toilette musterten, die von einigen als zu prätentiös für eine so jugendliche Dame, von anderen als zu wenig dezent für eine Dame von gesellschaftlicher Stellung befunden wurde.“ (S. 60).

Tochter der Luft

Die Neubaronin Effi lässt sich in keines der gesellschaftlichen Klischees pressen, sie ist eher nicht bodenständig und von ihrem Naturell her eher wankelmütig als beständig oder gar gesetzt. Ihre Mutter bezeichnet sie aus diesem Grund sogar als „Tochter der Luft“ (S. 9). Das junge Mädchen genießt es, in seinen Träumen zu versinken und sich ohne Verpflichtungen treiben zu lassen, und malt sich dabei ihre Zukunft in den buntesten Farben aus (S. 28). Die Tatsache, dass ihre Schaukel ihr liebstes Spielzeug ist, spricht Bände: „Sie trägst sie fast bis in den Himmel, eine gewisse Gefahr schwingt jedoch immer mit, sie kann jederzeit reißen, sodass Effi zu Boden geworfen wird“ (S. 7). Am Beispiel der Schaukel zeigt sich auch ein anderer Wesenszug: ihre Unbeständigkeit. In einem Moment ist sie wie euphorisiert, im nächsten zutiefst betrübt. Innerhalb von Sekunden schlägt ihre Laune von einem in das nächste Extrem um: „Effi lachte so herzlich, wie sie seit l...

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