Leitmotive

Schaukel

Effi liebt ihre Schaukel über alles, mag das Gefühl der Gefahr, da diese jeden Moment unter ihr zusammenbrechen könnte. Mit ihr schwebt sie fast bis zum Himmel und fühlt sich frei. Immer dann, wenn sie als mittlerweile verheiratete Frau nach Hohen-Cremmen zurückkehrt, „gönnt“ sie sich eine ausgiebige Schaukelpartie, um das Glück ihrer Kindheit erneut erleben zu können. Dieses Spiel war zwar schon damals riskant, hatte jedoch nie ernste Konsequenzen für Effi und bereitet ihr nach wie vor sehr große Freude: „Am liebsten aber hatte sie wie früher auf dem durch die Luft fliegenden Schaukelbrett gestanden, und in dem Gefühle: jetzt stürz ich, etwas eigentümlich Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden.“ (S. 109).

In Kessin muss sie auf ihre geliebte Schaukel verzichten. Jedoch nutzt sie dort einen Schaukelstuhl. Von diesem aus nimmt sie auch Crampas wahr, als dieser ihr seine Aufwartung macht: „Crampas trat heran. Er war in Zivil und küsste der in ihrem Schaukelstuhl sich weiter wiegenden Effi die Hand.“ (S. 113). Effi mag den Schaukelstuhl sehr: „Geert, könntest du bitte den liebenswürdigen Wirt machen; ich für meinen Teil finde es so schön in diesem Schaukelstuhl, dass ich nicht aufstehen mag.“ (S. 112). Dennoch ist er kein wahrer Ersatz für ihre Schaukel, da er erdgebunden ist und nicht das Prickeln bietet, das Effi sonst mit dem Schaukeln verbindet. Dennoch bewegt er sich und hebt für den Bruchteil einer Sekunde ab, was Effi an ihre Freiheit und das süße Gefühl der Gefahr erinnert.

Dieses Gefühl des Abhebens, das Effi so sehr liebt, veranlasst ihre Mutter dazu, sie als „Tochter der Luft“ zu bezeichnen, die Kunstreiterin hätte werden sollen (S. 9). An dieser Stelle wird deutlich, dass Luise sich durchaus der Tatsache bewusst ist, dass der prinzipientreue Geert von Instetten und ihre abenteuerlustige und unstete Tochter nicht die besten Voraussetzungen für ein gemeinsames Eheglück mitbringen. Die beiden Charaktere und Lebensentwürfe sind einfach zu verschieden.

Als sie am Ende ihres Lebens wieder in Hohen-Cremmen, dem Ort ihrer Kindheit, wohnt, glaubt Pastor Niemeyer in ihr schon wieder die alte Effi zu erkennen. Sie hingegen hat noch einen Versuch auf der Schaukel gewagt, die Vorzeichen haben sich jedoch drastisch verändert: „Aber es liegt ganz zurück und ich hab es nur noch einmal versuchen wollen. Ach wie schön es war und wie mir die Luft wohl tat; mir war, als flog ich in den Himmel. Ob ich wohl hineinkomme? Sagen Sie's mir, Freund, Sie müssen es wissen. Bitte, bitte....“ (S. 258).

Die Tatsache, dass das Schaukeln für sie nicht mehr das alte Gefühl zurückbringt, verdeutlicht, dass aus dem lebhaften, abenteuerlustigen und freiheitsliebenden Kind im Laufe der Zeit eine desillusionierte Frau geworden ist. Im Angesicht ihres baldigen Todes wollte sie nur noch einmal das Gefühl des Losgelöstseins spüren, eine Ahnung von Freiheit wahrnehmen.

Wasser

Fontane verwendet nicht nur Schaukel- und Luft-, sondern auch Wassermetaphern. Diese sollen ebenfalls die Naturverbundenheit und Natürlichkeit Effis unterstreichen, denn sie ist ein echtes „Naturkind“ und kann mit allem Künstlichen nicht besonders viel anfangen (S. 34). Im Hohen-Cremmener Garten befindet sich unweit von Effis geliebter Schaukel auch ein Teich mit Wassersteg und angekettetem Boot (S. 7). Dieser eröffnet die Wassermotivik auf eher harmlose Weise, im Verlaufe des Romans wird sich diese jedoch in die Szenerie des wilden Meeres verwandeln.

Als Effi und ihre Freundinnen ihre Stachelbeerschalen feierlich im Teich „begraben“, scheint es zunächst noch wie ein Kinderspiel. Ihr Satz „wobei mir übrigens einfällt, so vom Boot sollen früher auch arme unglückliche Frauen versenkt worden sein, natürlich wegen Untreue“ (S. 14) deutet bereits auf die kommende Katastrophe hin.

Das zeremonielle Versenken der Schuld im Wasser wird auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal geschickt von Fontane thematisiert: Auf einer Schlittenfahrt am Strand entlang ermahnt Sidonie von Grasenabb Effi, sich nicht zu weit aus dem Gefährt herauszulehnen, da sie sonst ein Herausfallen in die Brandung riskiert. Effi reagiert jedoch schnippisch und meint, es wäre gegen ein kühles Bad in der Brandung gar nicht allzu viel einzuwenden. Im nächsten ...

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