Das geschlossene Drama

Struktur

Die Form des geschlossenen klassischen Dramas, das auch als aristotelisches Drama bezeichnet wird, orientiert sich am alten griechischen Theater und ist besonders populär in Frankreich in dem 17. bis 19. Jahrhundert und in Deutschland in der Epoche der Weimarer Klassik. Schillers Maria Stuart (1900) und Goethes Iphigenie auf Tauris (1786) sind gute Beispiele für diese Dramenform.

Das fünfaktige Drama bildet den Prototyp der geschlossenen Form, wie Gustav Freytag 1863 in seiner Abhandlung Die Technik des Dramas erklärt. Die geschlossene Form des Dramas folgt einer festgelegten Struktur in fünf Akten, wobei jedem Akt eine eigene Bedeutung für das gesamte Stück beigemessen wird. Das Schauspiel ist wie eine Pyramide aufgebaut:

Der erste Akt des geschlossenen Dramas gilt als Einleitung (Exposition), in der Raum, Zeit, Hauptfiguren und Konflikt präsentiert werden. Am Ende des 1.Akts ereignet sich in der Regel ein wichtiges Ereignis, das die Spannung aufbaut und den zweiten Akt einleitet. Die Handlung steigert sich weiter im zweiten Akt und findet ihren Höhepunkt, der auch als Klimax bezeichnet wird, und ihren Wendepunkt (Peripetie) im dritten Akt. Der vierte Akt wird durch eine fallende Handlung und ein verzögerndes (retardierendes) Moment gekennzeichnet, das der Steigerung der Spannung dient.

Im fünften Akt endet das Drama in einer Katastrophe. Sie ist häufig mit dem Tod der Hauptfigur und in der Regel auch mit einem moralischen und ideellen Sieg verbunden.

Figuren und Sprache

Die straffe Komposition und die pyramidale Handlungskurve des geschlossenen Dramas bewirken, dass alle Szenen kausal miteinander verknüpft und nicht austauschbar sind. Die Handlung ist einsträngig und das Stück besitzt keine Parallelhandlungen oder weiteren Stränge.

Das klassische Drama berücksichtigt die Einhaltung der Ständeklausel. Demnach spielt eine überschaubare Anzahl von Figuren von hohem Stand, die dem adligen Stand angehören, eine Hauptrolle, um eine entsprechende Fallhöhe zu gewährleisten. Eine gehobene Sprache in Versform ist in den Stücken geboten.

Aristoteles schrieb dem klassischen Drama eine reinigende Wirkung (Katharsis) zu. Der Zuschauer soll sich in die Handlung hineinversetzen können und soll durch das Schauspiel Angst und Mitleid (Phobos und Eleos) erleben.

Die drei Einheiten

Kennzeichnend für das geschlossene, aristotelische Drama ist vor allem die Einhaltung der drei Einheiten:

  1. Einheit der Handlung: Die Handlung ist einsträngig und besitzt keine Nebenhandlungen. Die stringente lineare Abfolge der Ereignisse wird eingehalten. Die Haupthandlung ist leicht erkennbar und verständlich.
  2. Einheit der Zeit: Die Handlung soll in einem Zeitraum von einem Tag (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) spielen und keine Zeitsprünge aufweisen. Im Idealfall decken sich Spielzeit und gespielte Zeit.
  3. Einheit des Ortes: Die Einheit des Raumes beschränkt sich auf einen Ort der Handlung