Rezension

Stefan Zweigs Schachnovelle gilt bis heute als seine bekannteste und meistgelesene Erzählung. Im Jahr 1938 beginnt der Autor damit, Material für die Novelle zu sammeln. Er schreibt sie 1941 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Pétropolis, Brasilien, wohin er ausgewandert war. Nur einen Tag, nachdem der Autor das fertige Manuskript im Februar 1942 an drei Verlage geschickt hatte, nimmt er sich zusammen mit seiner Ehefrau Lotte das Leben.

Wie der Titel schon andeutet, ist Zweigs Geschichte gattungsspezifisch eine Novelle. Sie erfüllt die inhaltlichen Kriterien bezüglich Rahmen, Wendepunkt und unerhörter Begebenheit. Als Leitmotiv rückt sie das Schachspiel in ihren Mittelpunkt.

Stefan Zweig schildert die Ereignisse aus der Sicht des Ich-Erzählers, der selbst eine handelnde Figur ist und am Geschehen teilnimmt. Die sonderbare Haupthandlung spielt an Bord eines Passagierdampfers auf der Überfahrt nach Buenos Aires und beschreibt als Höhepunkt das Schachduell zwischen den beiden Protagonisten, dem Weltmeister  Mirko Czentovic und einem Spieler ohne Spielerfahrung, Dr. B.

Die Novelle enthält eine Rahmenhandlung, die zwei Mal von Rückblenden unterbrochen wird. In der ersten Hälfte der Erzählung widmet sich die erste Rückblende der Lebensgeschichte  der ersten Hauptfigur, des  Weltmeisters Czentovic. Trotz seines Mangels an Intelligenz, kommunikativer Fähigkeit und Vorstellungskraft wird er bereits im Alter von nur 20 Jahren aufgrund seines außergewöhnlichen Talents für das Brettspiel zum Schachweltmeister gekürt.

In der zweiten Hälfte beschreibt die zweite Rückblende ausführlich die Vergangenheit der zweiten Hauptfigur der Novelle: von Dr. B. Er wird vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Gestapo in Einzelhaft genommen. Es gelingt ihm, sich ein Schachbuch zu verschaffen, das er minutiös studiert. Er entwickelt aufgrund der Schachduelle, die er während der Isolation mental gegen sich selbst führt, eine beginnende schizophrene Erkrankung. Er hat deshalb nach seiner Gesundung u...

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