Hitler und die Nazizeit

Mirko Czentovic und Adolf Hitler

In der Literaturwissenschaft wird die Figur Mirko Czentovics häufig mit der Person Adolf Hitlers in Zusammenhang gebracht. Der Diktator könnte Stefan Zweig als Vorlage für die Figur des Schachweltmeisters gedient haben. Dafür spricht, dass die Biografien der beiden Männer einige Gemeinsamkeiten aufweisen: Beide stammen aus ländlichen Gegenden: Czentovic wächst in einer „südslawischen Provinzstadt“ (S. 13) auf, während Hitler der oberösterreichischen Grenzregion entstammt.

Beide kommen aus einfachen Verhältnissen und werden durch den frühen Verlust des Vaters geprägt (S. 9). Hitler wurde als uneheliches Kind geboren. Seine Mutter Klara war eine einfache Frau, die bei ihrem späteren Mann Alois Hitler, einem Zollbeamten, als Hausgehilfin tätig war.

Mirko Czentovic scheitert in der Schule (S. 9) und auch Hitler war nur wenig erfolgreich. Er verließ die Realschule ohne Abschluss.[1] Beide veröffentlichen ein Buch, in dem sie angeblich beide ihre Vorstellungen darstellen: „Mein Kampf“ und „Philosophie des Schachs“. Czentovic lässt jedoch das Buch unter seinem Namen schreiben, da er "nicht imstande war, drei Sätze richtig zu schreiben" (S. 18)

Besonders auffallend ist jedoch, dass beide Männer gleichsam von Geburt an ein einseitig stark ausgeprägtes Talent besitzen. Während sich bei Czentovic bereits im Kindesalter eine große Begabung als Schachspieler zeigt (S. 11), wird bei Adolf Hitler ein besonderes Talent als Redner festgestellt. Beide sind zunächst Außenseiter, die dann aber im Laufe ihres Lebens Berühmtheit erlangen.  

Nach seinem Erfolg im Schachspiel verhält sich Czentovic überheblich und hochmutig: „Seit seinem Siege im Weltturnier hielt er sich für den wichtigsten Mann der Welt“ (S.18). Hitler war wie Czentovic megaloman. Er schrieb im September 1934 an seine Freundin Adelheid Klein: „Ich glaube, mein Leben ist der größte Roman der Weltgeschichte“.[2] Hitlers Größenwahn kam beispielsweise durch seine Eroberungspläne in Europa und in seinen Bauplänen zum Ausdruck: Die Reichshauptstadt Berlin sollte mit gigantischen Ausmaßen zur Welthauptstadt Germania werden.

Czentovic scheint durch ein Minderwertigkeitsgefühl belastet zu sein: „das Bewusstsein, all diese gescheiten, intellektuellen, blendenden Sprecher und Schreiber auf ihrem eigenen Felde geschlagen zu haben und vor allem die handgreifliche Tatsache, mehr als sie zu verdienen, verwandelte die ursprüngliche Unsicherheit...

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