Merkmale der Novelle im Werk

Definition

Eine Novelle beschreibt, wie der Name schon sagt, eine neue Begebenheit (ital.: novella=Neuigkeit) in Prosaform. Sie unterscheidet sich vom Roman durch ihren geringeren Umfang, ist jedoch länger als eine Kurzgeschichte. Meist thematisiert sie nur ein Ereignis. Sie hat eine geschlossene Form, besitzt keine Nebenhandlung und nur wenige Hauptfiguren. Die Charaktere sind beständig und ändern ihr Verhalten im Laufe der Novelle nicht grundlegend.

Im Mittelpunkt der Novelle steht im Gegensatz zur alltäglichen Situation eine unerhörte Begebenheit. Dadurch erfährt das Leben des Protagonisten eine Wendung. Meist spielt ein bestimmtes Symbol („Dingsymbol“) eine entscheidende Rolle. Inhaltlich verspricht die Novelle Glaubwürdigkeit: Die Handlung könnte so oder ähnlich auch in der Realität passiert sein.

Die unerhörte Begebenheit

Die typischen Merkmale der Novelle sind in Stefan Zweigs Prosaerzählung mittlerer Länge, in der Schachnovelle, zu finden. Die erste erhörte Begebenheit der Geschichte ist eigentlich schon in der ersten Binnenhandlung vorhanden (siehe Analyse, Aufbau und Inhalt). Ganz ungewöhnlich erscheint der kometenhafte Aufstieg eines ungehobelten und ungebildeten Bauernjungen aus einem kleinen südslawischen Dorf bis zum Schachweltmeister.

Diese Sonderbegabung und dieser Titel bilden die Basis für die wahre Sensation. Ein höflicher Unbekannter, der seit vielen Jahren kein Schach gespielt hat, mischt sich zuerst in eine Partie zwischen dem Schachweltmeister und der Spielgemeinschaft einiger enthusiastischer Amateure ein, die in der Gefahr stehen, bald noch einmal zu verlieren, und bewirkt durch seine kluge Beratung ein Remis.

Die Schachpartien zwischen dem Schachweltmeister Czentovic und dem unbekannten Passagier Dr. B. sorgen schließlich für die unerhörte Begebenheit (S. 96 ff.)  Als dieser unerwartet gegen den Weltmeister die erste Partie gewinnt, leitet er damit den Wendepunkt der Novelle ein (S. 102): „Das Unwahrscheinliche hatte sich ereignet, der Weltmeister, der Champion zahlloser Turniere hatte die Fahne gestrichen vor einem Unbekannten, einem Manne, der zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre kein Schachbrett angerührt. Unser Freund, der Anonymus, der Ignotus hatte den stärksten Schachspieler der Erde in offenem Kampfe besiegt!“ (S.102).

Entgegen seiner vorherigen Ankündigung stimmt Dr. B. einer Revanchepartie zu.

Das zweite Spiel ist von „gefährlicher(r) Spannung“ und „leidenschaftliche(m) Haß“ (S. 104) zwischen den Spielern geprägt. Die Emotionen steigern sich und führen zum Ausbruch der Symptome einer „Schachvergiftung“ bei dem österreichischen Anwalt (S. 105). Nur das Eingreifen des Ich-Erzählers rettet ihn vor einem erneuten Zusammenbruch und führt dazu, dass Dr. B.  das Spiel höflich verlässt. Er will in Zukunft nie mehr Schach spielen (S. 110).

Die Begegnung zweier kontrastreichen Schachgenies, des plumpen Bauernbursche und des intelligenten Anwalts, die Schachkonfrontation zweier Spieler, die jeder für sich jeweils ganz anders denken, ganz anders motiviert sind und ganz anders agieren, und letztlich die Spielüberlegenheit des klugen Theoretikers Dr. B., der Schach allein in Isolationshaft mithilfe eines BUCHs (sehe Worterklärung) geübt hat, ste...

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