Irenes Angst

Angst und Furcht

Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse und ein Freund Stefan Zweigs, unterscheidet in seiner Theorie die Begriffe „Angst“ (lat. angor) und „Furcht“ (lat. timor). Während es sich bei der „Furcht“ um ein Gefühl der Bedrohung durch ein Objekt handelt, ist „Angst“ nicht so fassbar und steckt tief im Unterbewusstsein. In Verbindung mit einer improvisierten Gerichtsverhandlung zu Hause beschreibt Irenes Ehemann Fritz dieses Gefühl in der Novelle: „Die Angst ist ärger als die Strafe, denn die ist ja etwas Bestimmtes und, viel oder wenig, immer mehr als das entsetzlich Unbestimmte, dies Grauenhaft-Unendliche der Spannung“ (S. 43).

Stefan Zweig schildert ausführlich in einer bildreichen Sprache in den verschiedenen Situationen, welche die Hauptprotagonistin durchlebt, die wachsende Angst der Irene Wagner, bei ihrem Ehebruch ertappt zu werden. Er macht das in einer derart genialen Weise, dass auch dem Leser dabei mulmig zumute wird. Das Wort „Angst“ selbst kommt in der Novelle zahlreich vor, das Wort „Furcht“ nur einmal (das Adjektiv „furchtbar“ wird öfter verwendet).

Nimmt man die „Evolution“ der Angst in Zweigs Novelle in den Blick, so wird offensichtlich, dass sie diese zuerst zunehmend personifiziert: „Draußen aber stand schon die Angst“ (S. 6), „An jede kleine Erinnerung pochte jetzt ihre Angst mit zaghaftem Hammer“ (S. 21-22), „unablässig jagte sie die innere Angst“ (S. 23), bis sie schließlich ein Teil von Irene wird, mit ihr verschmilzt: „so in den Körper gedrungen, so eins mit dem Blute war schon die Angst, dass sie bei jedem Klingeln an der...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen