A

Akkumulation

Anhäufende Aufzählung, Reihung mehrerer Begriffe zu einem genannten Oberbegriff

Beispiele

„summen, murmeln, flüstern, rieseln“ (Brentano, Wiegenlied)

„[…] alle großen und guten Menschen, Gesetzgeber, Erfinder, Philosophen, Dichter, Künstler, jeder edle Mensch in seinem Stande“ (Herder, Briefe)

„Form ist Wollust, Friede, himmlisches Genügen“ (Stadler, Form ist Wollust)

„[Herr Hagenström] war, davon abgesehen, trotz seiner Rührigkeit als Mitglied von Ausschüssen, Kollegien, Verwaltungsräten und dergleichen nicht sonderlich beliebt“ (Mann, Buddenbrooks)

„Es waren brave Bürger, Beamte, Offiziere, Kaufleute (Horváth, Jugend ohne Gott)

Allegorie

Verbildlichung abstrakter Begriffe oder Gedankengänge

Beispiele

Amor für Liebe

Justitia für Gerechtigkeit 

Weiße Taube für Frieden

Fortuna für Glück

Alliteration (Stabreim)

Gleicher Anlaut der betonten Silben mehrerer Wörter eines Satzes 

Beispiele

„ungeheuren Ungeziefer“ (Kafka, Die Verwandlung)

„Das Bein, das Bett, das Brot“ (Borchert, Draußen vor der Tür)

„Mud, Mörtel, Matsch“ (Borchert, Draußen vor der Tür)

„Die Schwestern sind alle superjung und superfreundlich“ (Herrndorf, Tschick)

„Er will es dann nicht fahren lassen / Und wirket weiter, weil er muss.“ (Goethe, Faust i, Zueignung)

„Fellatio-Fiasko“ (Green, Eine wie Alaska)

„Gas geben. Geld sparen“ (Werbung)

Allusion

Anspielung auf einen bestimmten Sachverhalt, z. B. auf Werke der Kunst oder Literatur 

Beispiele

„Ein Bild, ein Bild, mein Pferd für'n gutes Bild! (Heine, Reisebilder II) (Anspielung an Shakespeares Richard III: „ A horse, a horse! my kingdome for a horse!”)

 „In meiner Stube soll's ehrlich und ordentlich zugehen“ (Goethe, Götz von Berlichingen) (Bliblische Anspielung 1. Kor. 14, 40: „Laßt alles ehrlich und ordentlich zugehen“ / Lutherbibel 1912 „Lasset alles ehrbar und ordentlich zugehen“) 

 „der Geschichte mit Gretchen“ (Franz Wederkind, Frühlings Erwachen)

„sein Waterloo erleben“ statt „eine Niederlage erleiden“

Anadiplose

Wiederaufnahme des letzten Wortes oder der letzten Wortgruppe eines Satzes am Anfang des nächsten Satzes

Beispiele

„Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen,/ Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen“ (Goethe, Seefahrt)

„Ha! wie will ich dann dich höhnen!/ Höhnen? Gott bewahre mich!“ (Schiller, An Minna)

Es fiel ihm ein, daß er schon seit Jahren einsam war. Einsam war er seit dem Augenblick gewesen [...] (Roth, Hiob)

„Spielen Sie sich nicht mit mir. Mit mir ist nicht gut Kirschen essen!“ (Torberg, Der Schüler Gerber)

Anagramm

Umstellung der in einem Wort oder auch Wortgruppe enthaltenen Buchstaben zu anderer Reihenfolge und neuem Sinn

Beispiele

 Lampe/ Ampel/ Palme

„Karamelengel“ für „Angela Merkel“

„Folterhilda“ für Adolf Hitler. 

Paul Celan (Kunstnername) / Paul Ancel

„Strohmian““ für romantisch (Tieck, Der blonde Eckbert)

Analepse (Rückblende, Flaschback) 

Eine nachträgliche Darstellung eines Ereignisses (oft in Form von Erinnerung oder Assoziation), das zu einem früheren Zeitpunkt stattgefunden hat als dem, den die erzählte Geschichte erreicht hat

Beispiele

„Sonst habe ich keine Erinnerungen an jene Nacht, in der mein Vater starb...“ (Miriam Pressler, Nathan und seine Kinder)

„Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei. Gestern hatte er noch hinten auf den Äckern Kartoffeln geharkt mit den andern, in Sträflingskleidung, jetzt ging er im gelben Sommermantel, sie harkten hinten, er war frei“ (Döblin, Berlin Alexanderplatz)

Analogie (Entsprechung, Übereinstimmung)

Die Metapher, der Vergleich, die Metonymie und die Personifikation verdeutlichen eine Analogie zwischen zwei Begriffen.

Beispiele

Walser, Tanz 

Lyrik, Opera

„Eine Haut wie Samt und Seide“ (Werbung)

Anakoluth

Satzbruch, inkonsequenter Satzbau

Beispiele

„Sie ist wieder in der Stadt bei einer Freundin. Und Albert – und – ich muß fort!“ (Goethe, Die Leiden des jungen Werthers) 

„Und das all – all – von zwey Kindern voll Hofnung – du hast sie – gegeben – hast sie – genommen - - dein Name sey - -“ (Schiller, Die Räuber)

„– Sie dringen herauf – belagern die Türe – warum zag ich so vor dieser bohrenden Spitze? – Die Türe kracht – stürzt – unentrinnbar! – Ha! So erbarm du dich meiner!“ (Schiller, Die Räuber)

„Der Prinz vom Homburg, unsrer tapfrer Vetter, / Befehl ward ihm von dir“ (Kleist, Prinz Friedrich von Homburg)

Anapher

Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe an Satz- oder Versanfängen 

Beispiele

Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration“ (Andersch, Sansibar) 

„[...] dieser Blik hätt euch übers Grab hinübergeleuchtet. Dieser Blick hätt´ euch über die Sterne getragen!“ (Schiller, Die Räuber)

Man muss ein Mann sein, um so sprechen zu können! Man muss ein Mann sein, um sich so vom toten Buchstaben verblenden lassen zu können! Man muss ein Mann sein, um so blind das in die Augen Springende nicht zu sehn!“ (Wedekind, Frühlingserwachen)

Wie lieb’ ich dich!/ Wie blickt dein Auge,/ Wie liebst du mich!“ (Goethe, Mailied)

Johanna wird nun nicht mehr auf euch wandeln,/ Johanna sagt euch ewig lebe wohl! (Schiller, Die Jungfrau von Orleans)

Anastrophe

Umkehrung der üblichen Wortstellung

Beispiele

„Und lehrt mich der Verstellung schwere Kunst“ (Schiller, Maria Stuart)

„Hänschen klein ging allein“ (Volkslied)

„Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen“ (Werbung)

„So klein, sie werden die Welt mit anderen Augen sehen“ (Werbung)

Antiklimax

Abfallende Steigerung, die häufig aus drei Teilen besteht   

Beispiele

„Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen“ (Goethe, Faust I, Nacht)

„Um den Papst zirkulieren die Kardinäle. Und um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe. Und um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre“ (Brecht, Das Leben des Galilei) 

„Urahne, Großmutter, Mutter und Kind“ (Schwab, Das Gewitter)

„Das war die Scheißschule und das war das Scheißmädchenthema, und da gab es keinen Ausweg“ (Herrndorf, Tschick)

Antilabe

Aufteilung eines Sprechverses auf verschiedene Personen

Beispiele

„Der Herr: Kennst du den Faust?/ M e p h i s t o p h e l e s: Den Doktor?/ Der Herr: “Meinen Knecht!“ (Goethe, Faust 1)

 „Faust: Nun gut, wer bist du denn?/ M e p h i s t o p h e l e s: Ein Theil von jener Kraft,/ Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (Goethe, Faust 1)

Antithese

Zusammenführung entgegengesetzter Begriffe

Beispiele

„…und ich war hoffnungslos langweilig, und sie war unendlich faszinierend" (Green, Eine wie Alaska)

„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ (Büchner, Der Hessische Landbote)

„Ja gab es das denn: Mörderlust und Liebeslust in einem Mann?“ (Wolf, Kassandra)

„O welche Wonne, welcher Schmerz!“ (Goethe, Willkommen und Abschied)

„Der Wahn ist kurz, die Reue ist lang“ (Schiller, Das Lied der Glocke)

„So groß kann klein sein“ (Werbung)

 „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit“ (Armstrong)

Antonomasie

Umbenennung und Ersetzung eines Begriffs durch eine charakteristische Eigenschaft bzw. ein bezeichnendes Merkmal oder Ersetzung der Bezeichnung einer Gattung oder Gruppe durch den Eigennamen eines ihrer typischen und bekannten Vertreter

Beispiele

„Der deutsche Dichterfürst“ für Goethe

„Das liebste Geschöpf unter der Sonne“ für Lotte (Plenzdorf, Die Leiden des jungen W. )

„Der Reisende“ für Aschenbach (Thomas Mann, Der Tod in Venedig)

„Ein Judas“ für einen Verräter, „Ein Casanova“ für einen Frauenhelden, „Ein Herkules“ für einen starken Mann

Antonymie

Gegenwort, Gegensatzpaar   

Beispiele

kalt, heiß / Liebe, Hass / Nacht, Tag

„Wär' ich der Gedanken los,/ Die mir herüber und hinüber gehen!“ (Goethe, Faust 1)

„Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.“ (Goethe, Faust 1)

Aposiopese

Verstummen, Abbruch der Rede, bevor das Wesentliche gesagt wird

Beispiele

„Er steht nun einmal auf der Liste und wir haben den Auftrag...“ (Andersch, Sansibar)

„Da war es wohl nur natürlich, dass ich […] ihn ansah, und mich verwunderte, wie groß und – (Sie unterbricht sich.)“ (S. 42), „Soll ich – (Sie verstummt.)“ (Hebbel, Maria Magdalena) 

 „Was! Ich? Ich hätt ihn -? Unter meinen Hunden -? / Mit diesen kleinen Händen hätt' ich ihn -?“ (Kleist, Penthesilea)

„Was? rief der Lotsenkommandeur, indem er sich heftig auf die Armlehnen stützte und emporsprang … Da soll doch gleich … I, dat wier je denn doch woll … Und mit zwei Schritten war er an der Tür“ (Thomas Mann, Buddenbrooks)

„Wenn ihr nicht mit einem Billett herauskommt, dann!“ (Anna Seghers, Transit)

Apostrophe

Hinwendung zu einer Sache oder einer abwesenden bzw. imaginären Person (z.B. Leser oder Publikum) 

Beispiele

„Und lieben, Götter, welch ein Glück!“ (Goethe, Willkommen und Abschied)

„Was für Zeiten, mein Kamerad!“ (Kafka, In der Strafkolonie)

„Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten (…)“ (Goethe, Faust I, Zuneigung)

„O du Stadt der Väter im Lande Theben/ und ihr Götter vor uns,/ getrieben werde ich und zögere nicht mehr [...]“ (Sophokles, Antigone)

 „Von so einem Lyrikportal, du dumme Zicke“ (Scherbenpark)

Archaismus

Altmodischer veralteter Begriff

Beispiele

Barbier statt Frisör

Minne statt Liebe

Groschen für Münzen

 „Dein Antlitz gnädig meiner Not!" (Goethe, Faust)

Assonanz

Gleichklang eines Vokals in benachbarten Wörtern

Beispiele

 „Wehe! wehe! Beide Teile “ (Goethe, Der Zauberlehrling)

 „Du liebes Kind, komm geh' mit mir! /Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir“ (Goethe, Der Erlkönig)

„Adel auf dem Radel“, „Proleten auf Raketen“ (Herrndorf, Tschick)

„Ganze Nuss im Überfluss“ (Werbung)

„So ist‘s ihr endlich recht ergangen.“ (Goethe, Faust 1))

Asyndeton

Aufzählung von mindestens drei Wörtern oder Satzgliedern, die ohne ein Bindewort miteinander verbunden sind

Beispiele

 „Da gab es winzige edelsteinverzierte Taschenührchen, gewöhnliche Blechwecker, Sanduhren, Spieluhren mit tanzenden Püppchen darauf, Sonnenuhren, Uhren aus Holz und Uhren aus Stein, gläserne Uhren und Uhren, die durch einen plätschernden Wasserstrahl getrieben wurden“ (Michael Ende, Momo)

 „Alles rennet, rettet, flüchtet“ (Schiller, Das Lied von der Glocke)

„Stehlen, morden, huren, balgen – Heißt bei uns nur die Zeit zerstreuen“ (Schiller, Die Räuber)

„Falschgeldprägen, Lichtausknipsen, Zähneputzen, Totschießen“ (Grass, Die Blechtrommel)

 „Warum soll eine so zertretene, entehrte, verlassene, mehrmals vorbestrafte Person vor Ihnen nicht offen bekennen ...“ (Hauptmann, Die Ratten)

„Geschnickelt, geschnackelt, spektakelt, schabernackelt, mit dem Schwanz gewackelt, nicht lang gefackelt“ (Hesse, Der Steppenwolf)

„Im Verlauf seiner Kindheit überlebte er die Masern, die Ruhr, die Windpocken, die Cholera, einen Sechsmetersturz […]“ (Süskind, Das Parfum)

„Es gab also nur Feststellungen, Kiefernwald, Fahrrad, Straße“ (Andersch, Sansibar)

Austriazismus

Die österreichische Varietät typischer Wörter des Deutschen

Beispiele

„neidig“ (S. 146) für „neidisch“ (Friedrich Torberg, Der Schüler Gerber)

der/die „Tschick“ (S. 183) für „Zigarette“ (Friedrich Torberg, Der Schüler Gerber)

„einen Stern reißen“ (S. 167) für „beim Schifahren stürzen“ (Friedrich Torberg, Der Schüler Gerber)