Gelassenheit und Zeit

Die Erzählung als Spiegel der Zeit

Alle Geschichten des Erzählbands Sommerhaus, später handeln von zwischenmenschlichen Beziehungen und ihren verschiedenen Facetten sowie von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens in der modernen Gesellschaft. Damit integriert die Autorin generationsspezifische Fragestellungen und politische oder gesellschaftliche Aspekte, die sehr subtil in ihre Texte eingearbeitet sind.

In ihrer Erzählung Sommerhaus, später wird ein greller Kontrast in der Darstellung der Ich-Erzählerin und ihres Freundeskreises einerseits und des Taxifahrers Stein andererseits sowie in der Darstellung zum einen des unbekümmerten und freigeistigen Lebens der jungen Erwachsenen in der Mitte der 1990er Jahre im Berlin nach dem Fall der Mauer und zum anderen des Lebensprojekts vom Stein auf dem Land deutlich.

Die Ich-Erzählerin und ihr Freundeskreis stehen stellvertretend für die tiefgreifenden soziologischen Veränderungen der 1990er Jahre. Durch die fortschreitende Emanzipation der Frauen und die Gender-Diskussion kam es zu einer Veränderung des Selbstbewusstseins der Frauen und damit auch der klassischen Strukturen von Familie und Beruf. Diese Veränderungen spiegeln sich im Lebensentwurf der Erzählerin und der Künstler-Clique wider.

Das Leben der Erzählerin und ihres Freundeskreises ist von Gelassenheit und einem entspannten Umgang mit der Zeit geprägt: „Wir saßen mit ihm da rum…“; „…wir saßen im Garten, tranken Wein, guckten blöde auf Baumgruppen in Mückenschwarm“ (S. 143). Hinter dieser bewusst nach außen getragenen „Easy-Rider“-Mentalität (S. 143), mit der sie vor allem die biederen Bewohner auf dem Land verärgern, bleiben sie in vielerlei Hinsicht passiv. Sie verschwenden keine Gedanken an die Zukunft in Bezug auf Familiengründung, leben als Bohemien vom Tag zu Tag und flüchten vor der Wirklichkeit durch den Konsum von verschiedenen Drogen.

Die Drogen

Die Mitglieder der Künstler-Clique sind vielen Arten von Drogen sehr aufgeschlossen: Sie konsumieren gemeinsam Alkohol, Tabak, Marihuana, LSD, XTC, Speed, Koks und halluzinogene Pilze.

Der Konsum dieser Drogen hat in diesem Freundeskreis eine verbindende Wirkung, verhindert aber die Integration außenstehender Personen, wie Stein, der diese Drogen nur deshalb nimmt, weil er ein Teil von ihnen sein will: „[Stein] nahm Drogen, wenn wir sie nahmen.“ (S. 142).

Stein macht bei diesem Konsum mit, aber er kann die Wirkung der Drogen nicht so theatralisch nach außen tragen wie die anderen Personen: „Er bekam ihn nicht hin, unseren spitzfindigen, neurasthenischen, abgefuckten Blick, obwohl er sich darum bemühte…“ (S. 143).

Das Verhalten der Gruppe ist vom sogenannten „sensation seeking“ geprägt, der ständigen Suche nach Abwechslung und neuen Erlebnissen. Die angewandten Drogen f...

Der Text oben ist nur ein Auszug. Nur Abonnenten haben Zugang zu dem ganzen Textinhalt.

Erhalte Zugang zum vollständigen E-Book.

Als Abonnent von Lektürehilfe.de erhalten Sie Zugang zu allen E-Books.

Erhalte Zugang für nur 5,99 Euro pro Monat

Schon registriert als Abonnent? Bitte einloggen