Beziehung Erzählerin - Stein

Die dreiwöchige Beziehung

Zwei Jahre vor der eigentlichen Haupthandlung lernt die Ich-Erzählerin den Taxifahrer Stein auf dem Weg zu einer Feier kennen, zu der er sie hinbringen soll. Als sie dort ankommen, teilt sie ihm mit, dass das Fest doch woanders stattfindet, und sie fahren weiter, bis Stein die Taxiuhr abstellt (S. 140-141). Danach geht er mit zu ihr, da er obdachlos ist, und lebt während der Beziehung bei ihr. Sein gesamtes Hab und Gut bewahrt er in drei Plastiktüten auf. Die beiden führen von da an ein kurzes dreiwöchiges Verhältnis.

Ihre gemeinsame Zeit besteht in dieser Periode vor allem aus Fahrten in Steins Taxi quer durch Berlin und Umgebung, bei denen sie verschiedene Musik hören und nur wenig miteinander sprechen. Als der erste Schnee fällt, steigt Stein bei jedem Rastplatz aus dem Auto, läuft auf die Felder und macht „langsame und konzentrierte Tae-kwon-do-Bewegungen“ (S. 142), bis die Ich-Erzählerin ihn lachend und wütend dazu auffordert, weiterzufahren, weil ihr kalt ist.

Nach drei Wochen hat sie genug von Stein, packt seine Sachen in die drei Tüten und teilt ihm mit, dass es an der Zeit ist, sich eine neue Bleibe zu suchen. Die Trennung verläuft ruhig und gelassen: „Er bedankte sich und ging.“ (S. 142).

Stein wird ein Teil der Künstler-Clique und unterhält wechselnde intime Beziehungen zu den verschiedenen Personen des Freundeskreises der Ich-Erzählerin. Die Ich-Erzählerin will dagegen nicht mehr mit ihm zusammenkommen und spielt die Bedeutung der Beziehung herunter: „Ich wiederholte nicht. Ich kann sagen – es war nicht meine Art. Ich konnte mich auch nicht erinnern, wie das, wie also Sex mit Stein gewesen war.“ (S. 143).

Im Gegensatz zu ihren Freunden will sie die drei gemeinsamen Wochen mit Stein auch nicht als Beziehung bezeichnen:  „Die Beziehung zu Stein, wie die anderen das nannten, ,,,“ (S. 140). In den nachfolgenden Zeiten, in denen sie Stein nicht sieht, vergisst sie ihn: „Ich vergaß das, wenn ich Stein nicht sah. Wie ich auch ihn vergaß.“ (S. 139).

Der neue Kontakt und die Erinnerungen

Zwei Jahre später lässt sich an ihrem Verhalten erkennen, dass sie Stein nicht ganz so emotionslos gegenübersteht, wie das Telefonat mit ihm zu Beginn der Erzählung den Anschein erweckt (S. 139). Zuerst gibt sie sich sehr distanziert, scheint sich nicht über seinen Anruf zu freuen und schweigt Stein am Telefon an: „Er […] sagte: „>>Hallo<<, und schwieg. Ich schwieg auch. Er sagte: >>Hier ist Stein<<, ich sagte: >>Ich weiß<<…“ (S. 139). Sie zündet sich mechanisch eine Zigarette an, „wie immer, wenn Stein irgendwie auftrat und mir also wenig einfiel“ (S. 139). ´

Wieder reagiert sie kaum, als Stein ihr schreiend vor Begeisterung mitteilt, dass er das Haus gekauft hat: „Ich hörte zu, obwohl er dann lange nichts mehr sagte.“ (S. 140). Obwohl die Ich-Erzählerin vorgibt, keine Lust zu haben, mit ihm zum Haus nach Canitz zu fahren, zieht sie sich an und fährt mit ihm dorthin. Dies beweist, dass sie zumindest neugierig genug ist, um das Haus zu besuchen.

Erst zwei Jahre nach dem Ende ihrer Beziehung sitzen die beiden auf dem Weg nach Canitz wieder gemeinsam im Auto: „Es war das erste Mal, daß wir wieder zusammen in seinem Auto saßen, seit damals…“ (S. 144).

Auf dem Weg zu Steins neu erworbenem Haus in Canitz erinnert sie sich an die gemeinsame Zeit, die durchaus harmonisch war und nicht im Streit oder wegen größerer Differenzen endete. Vielmehr scheint ihre Maxime, sich nicht zu wiederholen (S. 143), mit ein Grund dafür zu sein, dass es seitdem keine erneuten Intimitäten zwischen den beiden gibt, da Stein ihr nach wie vor sehr zugetan ist. Allerdings verbirgt sich in der Formulierung „Er vögelte sie alle, das ließ sich nicht vermeiden…“ (S. 142), dass sie seiner sexuellen Freizügigkeit mit ihrem Freundeskreis nicht ganz unbeteiligt gegenübersteht.

Die Ich-Erzählerin erinnert sich auf der Fahrt an einen Moment nach ihrer Beziehung, in dem sie mit Stein alleine im Garten von Heinze sitzt. Die anderen sind „aufgebrochen zum Sonnenuntergang auf Speed“ (S. 144). Stein räumt so lange „Gläser, Aschenbecher, Flaschen und Stühle weg“ (S. 144), bis nichts mehr an die anderen erinnert. Er schafft somit bewusst einen Raum nur für sie beide, in dem sie für eine kurze Zeit in Ruhe für sich alleine sein können. Sie trinken Wein und Stein lächelt jedes Mal, wenn sie sich ansehen. Beide scheinen sich immer noch so gut miteinander zu verstehen, dass sie einen solchen Moment schweigend genießen können, ohne dass es unangenehm ist.

Im Haus in Canitz erinnert sich die Erzählerin liebevoll „an die Stunde in Heinzes Garten in Lunow“ (S. 152) und wünscht sich, dass Stein sie „noch einmal so ansehen würde, wie er mich damals angesehen hatte“ (S. 152). Auch wenn sie sich sofort diesem Wunsch wieder verschließt: „…und ich haßte mich dafür“ (S. 152), so ist doch diese eine Stunde immer noch positiv in ihrem Gedächtnis haften geblieben und ein Beleg dafür, dass sie mehr als nur oberflächliche Freundschaft für ihn empfindet. Insgeheim sehnt sie sich immer noch nach seiner Zuneigung,...

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