Merkmale des Postmodernismus im Werk

Sinnverlust und Suche nach eigener Identität

Die Postmoderne wird in der Literatur als Oberbegriff für die Literatur ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwandt. Der Begriff ist deshalb umstritten, da die Autoren der Postmoderne oft keinen Gruppierungen angehören oder ein spezielles Programm verfolgen und somit eine solche Einordnung viel zu oberflächlich ist. Inhaltlich setzten sich die Schriftsteller nach dem 2. Weltkrieg mit den völlig veränderten Lebensbedingungen auseinander. Ihre Werke waren oft von einem Sinnverlust geprägt, der durch die schrecklichen Ereignisse des Krieges ausgelöst wurde (siehe dazu Lektürehilfe /Epochen/ Postmodernismus).

Ab den 1990er Jahren trat eine neue Generation junger Autoren auf, die nicht mehr in der gleichen Weise von den Kriegserlebnissen geprägt war wie ihre Eltern und Großeltern. Ihre Werke behandeln oft die Suche nach der eigenen Identität. Besonders die Bewohner Berlins, zu denen auch Judith Hermann gehört, haben in ihrem Leben mit dem Mauerfall ebenfalls ein prägendes Erlebnis, das ihr literarisches Schaffen beeinflusst. Ihre Werke zeichnen sich ebenfalls durch einen Sinnverlust aus, den die Herausforderungen der modernen Gesellschaft verursachen.

Typisch für die Postmoderne ist auch die Reduzierung des Umfangs der Erzählungen. Hermann verfasst keinen klassischen Roman, in dem Figuren aufgebaut und Handlungsstränge entwickelt werden, sondern vereint in ihrem Erzählband mehrere kleine Erzählungen, die ganz individuelle Sichtweisen auf die Problematik des Erwachsenwerdens bieten.

Aus den verschiedenen Blickwinkeln des Erzählbandes setzt sich dann ein komplexes Bild zusammen, ähnlich wie durch verschiedene Kurzfilme zu einem Thema. Die Protagonisten ihrer Erzählungen sind nur vage angedeutet und bieten dem Leser wenig Identifikationspotenzial.

Experimentieren und Unsicherheit

Die Beziehung zwischen der Erzählerin und dem Taxifahrer Stein spielt Ende 1993 und damit nur wenige Jahre nach dem Mauerfall. Die jungen Menschen genießen es, unabhängig durch Berlin und die Umgebung der Großstadt zu schweifen. Ebenso leben sie ein Leben voller Ausschweifungen und sexuellen Freiheiten. Sie verschwenden keine Gedanken an die Zukunft und leben in den Tag hinein: „Wir hörten Paolo Conte aus Heinzes Ghettoblaster, schluckten Ecstäsy und lasen und die besten Stellen aus Bret Easton Ellis American Psycho vor. Falk küßte Anna, und Anna küßte mich, und ich küßte Christiane.“ (S. 153).

Auch wenn dieses Leben auf der einen Seite von großer Freiheit gekennzeichnet ist, so spiegelt sich doch in der Tatsache, dass sie auch Ende zwanzig so leben und sich nicht mit der Planung der Zukunft auseinandersetzen, eine gewisse Hilflosi...

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