Leitmotive und Symbole

Kälte und die Farbe Blau

Bereits zu Beginn der Haupthandlung spielt die Kälte eine zentrale Rolle. Als Stein in den ersten Dezembertagen kommt, um die Ich-Erzählerin abzuholen, um ihr das Haus in Canitz zu zeigen, ist es sehr kalt. Die Erzählerin hat nur geringe Lust, ihn zu begleiten, da es "saukalt" (S. 140) ist. Auch im Taxi ist es "scheußlich kalt" (S. 144), die Heizung scheint defekt zu sein.

Auf der Fahrt nach Canitz beginnt es zu schneien und als sie dort ankommen, liegt bereits sehr viel Schnee. Steins "eiskalte Hand" (S. 149) zieht sie ins Haus hinein, in dem er sie herumführt. Nach der Besichtigung setzen sie sich auf die Treppen der Veranda und der Erzählerin ist "unglaublich kalt" (S. 151). Nachdem Stein erkannt hat, dass die Erzählerin nicht auf sein Angebot eines gemeinsamen Lebens in Canitz eingeht, bedankt er sich „kühl“ (S. 153) bei ihr für ihr Mitkommen.

Einige Wochen später im Februar bricht Toddi beim Schlittschuhlaufen auf dem Griebnitzsee ins Eis ein und wird von seinen Freunden gerettet. Stein und die Erzählerin stehen in diesem Moment teilnahmslos daneben und bekommen einen Lachanfall, als er "Blau" und sie "kalt" (S. 154) sagt. Damit spielen sie auf einen Moment an, in dem sie zusammen LSD genommen haben und Toddi bei jeder Berührung etwas von "Blau" (S. 143) erzählte.

Die Farbe Blau zählt zu den kalten Farbtönen und kann mit Eis und Kälte assoziiert werden. In der Romantik war die Blaue Blume dagegen das Symbol für Gefühl und Leidenschaft. Blau wird ebenfalls mit Intelligenz und innerer Ruhe verbunden. In dem konkreten Kontext wird der Farbton eher mit der Kälte verknüpft und spielt damit genau gegensätzlich zur Blauen Blume auf die emotionale Kälte der Ich-Erzählerin an.

Schon während ihrer dreiwöchigen Beziehung liegt Schnee und die Erzählerin ist wütend auf Stein, der bei jedem Rastplatz auf die verschneiten Äcker läuft, um Taekwondo- Bewegungen zu machen, da ihr sehr kalt ist (S. 142).  

Sie reagiert zwei Jahre später auf den Anruf des völlig euphorischen Steins sehr nüchtern und verspürt keine Lust, ihn zu dem neu erworbenen Haus zu begleiten. Auf dem Weg dorthin und in Canitz ist ihr stets sehr kalt und sie fühlt sich von den anderen alleine gelassen. Als sie erkennt, dass Stein in diesem Haus mit ihr und ihren Freunden sich eine gemeinsame Zukunft ausmalt, fühlt sie sich ihm kurzzeitig schuldig gegenüber, bleibt aber auf Distanz.

Sie fragt nach einer Erklärung für die erstaunliche Tatsache, dass ein obdachloser Taxifahrer sehr viel Geld für ein völlig heruntergekommenes Haus in Canitz bezahlt hat: „Du hast 80 000 Mark bezahlt, um mir eine Möglichkeit zu zeigen, eine von vielen? Hab ich das richtig verstanden? Stein? Was soll das?“ (S. 152). Stein will aber nicht sich rechtfertigen: „Stein reagierte nicht.“ (S. 152).

Nach der Besichtigung des Hauses verhält sich die Ich-Erzählerin Stein gegenüber emotional noch kühler und vermeidet den Kontakt zu ihm. Als er kurze Zeit darauf völlig von der Bildfläche verschwindet, vermutet sie aufgrund der Dachpappe, Tapeten und Wandfarbe, die sie den Winter über in seinem Taxi bemerkt hat (S. 153), wo er ist, aber sie erzählt nach wie vor niemandem von dem Haus: „Er war weg, und als Henriette blöde unauffällig fragte, wo er sei, zuckten sie mit den Schultern. Ich zuckte nicht mit den Schultern, aber ich schwieg.“ (S. 154).

Eine Woche später treffen die ersten Karten von Stein aus Canitz ein, aber die Erzählerin reagiert nicht auf seine Nachrichten. Als er ihr schließlich den Zeitungsartikel schickt, in dem davon berichtet wird, dass das Haus von Stein in Canitz abgebrannt ist, der Inhaber als vermisst gilt und Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden kann, geht sie in die Küche und steht zehn Minuten lang „stumpfsinnig vor dem Herd herum“ (S. 156), bevor sie den Brief zu den Karten in die Schublade legt.

Der Brand und seine extreme Hitze, welche Steins Liebe und Leidenschaft symbolisieren könnten, stehen hierbei in einem Kontrast zur Kühle und zum unterkühlten Verhalten der Erzählerin.

Herd

Der häusliche Herd war früher der wärmende Mittelpunkt im Bereich der Nahrungszubereitung, des Familiengeschehens und symbolisiert Gemeinschaft, Behaglichkeit und Verborgenheit.

Das Verharren der Ich-Erzählerin vor dem Herd (S. 156) ist ein starkes Symbol für das Angebot von Stein, mit der Erzählerin ein ruhiges Leben auf dem Land zu führen. Sie erkennt, was unausgesprochen hinter seinem Vorschlag steht und was Stein sich wünscht: Stabilität, eine dauerhafte Beziehung und, damit verbunden, auch die Erfüllung traditioneller R...

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