Wunder und Visionen

Wundersame Ereignisse

Im Zuge des Hörwunders, das Elias widerfährt, erhält er nicht nur seine gelben Augen, sondern auch seine übermenschlichen Fähigkeiten (vgl.: S. 34 – 39). Mit dieser qualvollen Verwandlung seines Körpers beginnt einerseits Elias‘ körperlicher Leidensweg, andererseits aber auch seine einzige Kommunikation mit der Welt über Eschberg hinaus. Vor dem Wunder heißt es: „Der Stein rief“ (S. 33). Diesem Ruf folgt Elias, und zwar mit dem Ergebnis: „An diesem Nachmittag hörte der fünfjährige Elias das Universum tönen« (S. 34).

Diese sonderbare Kommunikationsfähigkeit verstärkt sich abermals, als Elias lernt, nicht nur mit Kopfstimme, sondern gar in Ultraschallfrequenz zu sprechen (vgl.: S. 61). Elias kann nun mit Tieren Zwiesprache halten, so wie der christliche Heilige Franz von Assisi (1181/82 – 1226) oder auch Orpheus aus der griechischen Mythologie, dessen Gesang Tiere anlockte und dessen Leben ebenfalls aus Trauer über seine verlorene Geliebte endete. Als Elias stirbt und Peter seine Worte schon nicht mehr versteht, nähern sich ihm noch ein letztes Mal die Tiere des Waldes: „Die letzte Botschaft seines elenden Lebens mußten die Waldtiere vernehmen“ (S. 197).

Die göttliche Vision

Wiederholt taucht Christus als erwähntes ‚Jesulein‘ auf. Bereits bei Elias‘ Kommunion heißt es, „daß kein Kommunikant so fromm und lauter das Jesulein in sein Herzkämmerchen treten ließ als unser Elias Alder“ (S. 47). Dasselbe Jesulein trägt letztlich auch zu Elias‘ Untergang bei. Schließlich heißt es im Choral „Kömm, o Tod, du Schlafes Bruder“ (über den Alias beim Orgelfest improvisieren muss und dabei seinen Selbstmord beschließt), in dem der Tod selbst angesprochen wird: „Denn durch dich kömm ich herein / zu dem schönsten Jesulein“ (S. 181). Daher erhofft sich Elias nach dem Tod „die Gewißheit der ewigen Seligkeit im Himmel“ (S. 192).

Zuvor trifft der von Liebeskummer und Entbehrung gezeichnete Elias, nachdem er von der bevorstehenden Hochzeit Elsbeths mit Lukas Alder erfahren hat, persönlich auf Gott in Form des Jesuleins. Es bleibt jedoch offen, ob es sich bei diesem Treffen lediglich um eine Einbildung Elias‘ handelt, um eine göttliche Vision oder doch um eine wahrhaftige Erscheinung Gottes. Der Erzähler selbst kann „nicht erklären […], was Elias jetzt sah“ (S. 146). Die Begegnung findet statt, als Elias aus Wut über Elsbeths Hochzeit nachts in der Dorfkirche „Gott in sich zu Tode“ (S. 142) schreit. Elias versucht dann naiv, die Schuld an der Unerreichbarkeit Elsbeths Gott in die Schuhe zu schieben. Er verflucht ihn und will mit Gott ein Ende machen. Er klagt ihn an: „Die Liebe allein war dir zu wenig!!“ (S. 144).

Elias will sich endgültig von Gott abwenden: „Wisse, daß ich nicht aufhören werde, Elsbeth zu lieben. […] Wisse, daß Du mir keine größeren Schmerzen mehr zufügen kannst, als Du mir zugefügt hast“ (S. 144). Doch dann erscheint ihm ein geschlechtsloses, verwundetes, zerlumptes Kind ohne Bauchnabel – das besa...

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