Schlaf und Tod

‚Wer schläft, liebt nicht‘

Bereits zu Beginn des Romans heißt es: „[... D]enn im Schlaf sei man tot, jedenfalls lebe man nicht wirklich. Nicht von ungefähr vergliche ein altes Wort Schlaf und Tod mit Brüdern“ (S. 9). Gemeint sind die griechischen Brudergottheiten Hypnos (Schlaf) und Thanatos (Tod). Der Mensch ist nur wachend der Herr über seine Taten, da er nachts vom Unterbewussten und von Träumen kontrolliert wird.

‚Wer schläft, liebt nicht‘, ist der Satz, den Elias von dem offensichtlich geistig verwirrten Scharlatan Corvinius Feldau lernt, der sich als Wanderprediger ausgibt. Dessen eigentliche Aussage zielt zwar zweifellos auf hemmungslosen Geschlechtsverkehr anstelle der nächtlichen Ruhe ab: „Jeder, alt und jung, solle sich dem Rausch der Wollust hingeben“ (S. 102). Ironischerweise verdreht Elias jedoch diese Bedeutung ins genaue Gegenteil und deutet die Aussage ‚Wer schläft, liebt nicht‘ rein idealistisch. In Elias platonischer Deutung von Feldaus Aussage ist aktive Liebe folglich nur im wachen Zustand möglich.

Diese Einstellung prägt Elias‘ Besessenheit von Elsbeth, bis Elsbeth seinen Gefühlen durch die Heirat Lukas Alders offiziell eine Absage erteilt. In der nächtlichen Kirchenvision, nachdem Elias Gott angeklagt und verflucht hat, scheint Gott Elias daraufhin von seiner Leidenschaft zu befreien: „Er mußte nicht mehr lieben. […] Das Mädchen Elsbeth war ihm gleichviel geworden“ (S. 149).

Nach Peters Vorwurf jedoch, Elsbeth nie wirklich geliebt zu haben, ist Elias fest dazu entschlossen, „es mit der Liebe ein letztes Mal zu versuchen“ (S.153) Denn Elias‘ Gefühllosigkeit nach Elsbeths Hochzeit mit Lukas lässt ihn erkennen, dass ihm etwas fehlt: „Selbst die hoffnungsloseste Leidenschaft ist leichter zu ertragen denn keine Leidenschaft“ (S. 153).

Fatalerweise verknüpft sich dieser Entschluss unbedingter Liebe bei Elias‘ Teilnahme am Orgelfest zu Feldberg wieder mit dem Motiv des Todes, während Elias musiziert: „Es waren Elsbeths Melodien. Und Elsbeths Melodien folgten die Melodien des Chorals. Der Choral aber war der Tod“ (S. 175).

Diese Erkenntnis der Verbindung zwischen seiner unglücklichen Li...

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