Liebe und Eifersucht

Elias‘ Liebe

Als Ausnahmemusiker liebt Elias die Musik, sie ist die treibende Kraft für ihn. Von Anfang an gibt Elias sich der körperlichen Beziehung zur Musik hin, wenn er leidenschaftlich mit seiner eigenen Stimme die Orgelpatzer seines Onkels korrigiert: Er „[e]rgänzte [...] die holprige Baßlinie, restaurierte eine verpfuschte Phrase im Alt, verzierte die Liedmelodie mit kühnen Durchgängen und Koloraturen, schrie ein verzweifeltes ‚b‘, wo der Lehrer wieder ein ‚h‘ gepatzt hatte [...]“ (S. 66). Ebenso körperlich ist jedoch Elias‘ Liebe zu Elsbeth: Sie ist seine zweite Triebfeder und konkurriert mit seiner Liebe zur Musik, auch wenn Elias immer wieder beide miteinander zu versöhnen versucht (wenn er beispielsweise Elsbeths Eigenarten in seine Kompositionen einbaut).

Die Körperlichkeit von Elias‘ Liebe zu Elsbeth ist zunächst zwar nicht sexuell, aber trotzdem präsent: Er hört Elsbeths Herzschlag im Zuge seines Hörwunders (vgl.: S. 38), und sein Herzschlag vereint sich mit dem ihren, als er sie aus dem brennenden Hof Nulf Alders rettet (vgl.: S. 78). Immer wieder spendet Elias dieser Herzschlag Trost. Als im Jahr 1820 schließlich der Wanderprediger Corvinius Feldau Eschberg besucht, tritt eine weitere entscheidende Dimension zu Elias‘ Liebe hinzu: Vom Wanderprediger lernt er den Satz: „Wer schläft, liebt nicht‼“ (S. 103). Da Elias diese Aussage wörtlich nimmt, resultieren daraus ebenfalls körperliche Auswirkungen, wenn er schließlich seinem eigenen Leben durch Schlafentzug ein Ende bereitet.

Doch auch der Sexualität kann sich Elias nicht erwehren: Als er Elsbeth den wasserverschliffenen Stein zeigt, erkennt er ihre weiblichen Reize und hat nachts einen feuchten Traum, nachdem ihm im Schlaf ihre nackte Brüste erschienen sind (vgl.: S. 111). Gegen diesen Aspekt seiner Liebe wehrt sich Elias mit Entschiedenheit: „Er wollte ihr zeigen, daß die wahre Liebe nicht das Fleisch sucht, sondern sich ganz an die Seele verschenkt“ (S. 108). In jeglicher Hinsicht behält Elias seine Gefühle ge...

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