Rezeption, Kritik und Adaptionen

Robert Schneider selbst sagt über das ideale Publikum für seinen Roman: „Ich will keinen intellektuellen Leser, ich will jemanden, der eigentlich gar nicht liest. […] Die ganze Hirnwichserei interessiert mich nicht“.[1] Dieser Seitenhieb auf die akademische und kritische Literaturrezeption hat durchaus seine Berechtigung. Denn gerade der durchschnittliche Alltagsleser dürfte zum Erscheinungszeitpunkt von Schlafes Bruder genügend Anreiz gehabt haben, sich mit dem Roman auseinanderzusetzen: Die Handlung im Bergdorf des 19. Jahrhunderts entführt den heutigen Leser in eine ihm unbekannte Welt und bietet somit die Möglichkeit zur Realitätsflucht, während der allwissende Erzähler, der überschaubare chronologische Ablauf mit den klar benannten Daten und die weitgehende Einheit des Ortes das Lesen erleichtern.

Gleichzeitig ist die breitgefächerte Lesbarkeit von Schlafes Bruder – als Bildungsroman, als Kunstmärchen, als Parodie der Dorfgeschichte usw. – mit Sicherheit einer der Gründe für die Beliebtheit, die der Roman bereits kurz nach seiner Erstveröffentlichung nicht nur bei einem breiten, sondern auch bei einem gebildeten Publikum erlangt.

Aufgrund seiner postmodernen Anschlussfähigkeit an die unterschiedlichsten Punkte der Literaturtradition greift demnach auch die Literaturwissenschaft Schneiders Erstlingswerk positiv auf und diskutiert es breit. Die Literaturkritiker, von den Feuilletons der großen Zeitungen bis hin zum Lokalblatt, besprechen Schlafes Bruder angeregt – wenn auch durchaus kontrovers. Die wichtigsten Rezensionen fallen allerdings positiv aus. Nicht zuletzt trägt auch die Besprechung des Romans in der Fernsehsendung Das literarische Quartett am 19. November 1992 zur Steigerung des Bekanntheitsgrades von Robert Schneiders Debütroman bei.

Doch die Stärken von Schlafes Bruder gelten einigen Kritikern auch al...

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